ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Klinikärzte: Staat als kapitalistischen Arbeitgeber erlebt
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LNSLNS Von 1945 bis 1951 habe ich Medizin studiert. Damals gab es auch ein Überangebot an Ärzten durch die nach Kriegsende aus der Wehrmacht entlassenen Ärzte. Nach Abschluss des Studiums war es sehr schwierig, zur weiteren Ausbildung einen Arbeitsplatz an einem Krankenhaus zu erhalten, zumal dort ein zunehmendes Überangebot an Ärzten bestand, weil die Niederlassungsfreiheit noch nicht eingeführt war.
In dieser Zeit habe ich den Staat als typischen kapitalistischen Arbeitgeber erlebt. Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von etwa 70 bis 80 Stunden habe ich 1960 zum ersten Mal ein Monatsgehalt von 1 000 DM erhalten – das entspricht heute in etwa 2 200 A – Überstunden und Nachtdienste sowie Wochenenddienste wurden nicht extra vergütet. Dies geschah erst, als nach der Einführung der Niederlassungsfreiheit die Krankenhäuser sich von Assistenzärzten entleerten. Dies hat dazu geführt, dass unsere Generation gelernt hat, alle Entscheidungen des Staates skeptisch zu beurteilen und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen . . .
Dr. med. U. Kleemann, Zeppelinstraße 24, 88212 Ravensburg
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