ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Englisch: Falsche Signale
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wenn mich die bundesweite Befragung der Autoren erreicht hätte, ich weiß nicht, ob ich zu den 64 % gehört hätte, die darauf geantwortet haben. Englisch als medizinische Fachsprache infrage stellen zu wollen ist der Versuch, das Rad der Zeit um viele, viele Jahrzehnte zurückzudrehen. Ich hätte die Fragestellung vermutlich als absurd abgetan und den Fragebogen unmittelbar dem Mülleimer übergeben. Möglicherweise sind die Untersuchungsergebnisse durch ähnliche Reaktionen verfälscht. Es gab Zeiten, als sich Ärzte auch kulturell im positiven Sinne als Elite verstanden haben, als Mehrsprachigkeit selbstverständlich war. Damals war freilich das standesgemäße Latein die „Lingua franca“ (sic!), nicht das profane Englisch. Wirklich relevante Originalpublikationen sind heute in aller Regel in englischer Sprache.
MEDLINE und Internet sind aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken und sind nun mal nicht ausschließlich in Deutsch (oder Latein?) zu haben.
Erstaunlich ist, dass die Überschrift und die Schlussfolgerungen des Artikels nicht einmal zwingend durch die eigenen Daten der Autoren zu belegen sind. Wenn 18 % der Ärzte Englisch sicher und 41 % die Sprache ganz gut beherrschen, kann es dann die Mehrheit sein, die Vorträge nicht mehr verstehen kann? Ist Weiterbildung durch die Sprachbarriere wirklich bedroht? Sieht man das Weiterbildungsprogramm zum Beispiel der sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer an, so ist dieser Vorwurf wirklich realitätsfern. Wenn ein Gast aus dem Aus-land in Deutschland Vorträge hält und sich der englischen Sprache bedient, sollte dies nicht als Belästigung und Behinderung empfunden werden, sondern als (auch kulturelle) Herausforderung. Das Deutsche Ärzteblatt hat mit den englischen Zusammenfassungen zu den deutschen Originalarbeiten hier einen wichtigen Schritt getan. Es wäre sogar darüber nachzudenken, ob nicht eine bewusste Weiterbildung in der Zweisprachigkeit (etwa durch Fußnoten, die deutsch-englische Äquivalente der Terminologie zum jeweiligen Thema bewusst vermitteln) einer deutschen Fachzeitschrift angemessen wäre . . .
Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Schuler, Ebereschenweg 45 A, 01328 Dresden-Pappritz
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige