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LNSLNS Die wirtschaftlichen Vermarktungsinteressen des medialen und medizintechnologischen Komplexes ergänzen sich mit den politischen Interessen jener Kräfte, die mit Fleiß die Marginalisierung des Deutschen als Kultur- und Wissenschaftssprache betreiben. Die medizinischen Handlungs- und Denkformen haben in allen europäischen Sprachen in einem mühsamen linguistischen Prozess ein hohes Niveau erreicht, sodass die vollständige Anglizierung der medizinischen Aus- und Fortbildung nicht nur einem sprachgeschichtlichen, sondern auch kulturellen Atavismus gleichkommt. Schon jetzt wird deutlich, dass der englische Wissenschaftsjargon zum „restringierten Code“ (N. Chomsky) entartet, dessen einzige Aufgabe es ist, die mit PC gestützten multimedialen Exel- und Power-Point Fortbildungen verbal zu plagitieren. Dies hat im Übrigen auch eine negative Auswirkung auf die englische Sprache selbst. Dem Arzt, als integraler Bestandteil der jeweiligen Sprach-Kulturen, muss das Recht zugestanden werden, sich in seiner Muttersprache aus-, weiter- und fortbilden zu dürfen, wobei ihm selbstverständlich die Aufgabe zufällt, auch seine Sprache dem Erkenntnisstand durch Assimilation und Integration fremder Begriffe und Termini weiter zu entwickeln. Dies vermag er aber nur, wenn er nicht aufgrund seiner Nationalsprache vom wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen wird. Da der native englische Sprecher stets dem sekundär Anglizierten gegenüber im Vorteil bleibt, widerspricht die Monopolisierung des wissenschaftlichen und fachlichen Diskurses durch das Englische dem demokratischen Selbstverständnis der meisten europäischen Völker.
Dr. med. Reinhard Baden, Diakonie Stetten, Devizesstraße 4, 71332 Waiblingen
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