ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Asthma-Therapie: Empfehlungen werden nur selten befolgt

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Asthma-Therapie: Empfehlungen werden nur selten befolgt

Dtsch Arztebl 2002; 99(4): A-217 / B-182 / C-154

GS

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LNSLNS In der Erkennung und Behandlung des Asthma bronchiale bestehen bei der Ärzteschaft und in der Bevölkerung noch Unsicherheiten, Wissenslücken und angstbesetzte Verdrängungen. Elke Alsdorf vom Deutschen Allergie- und Asthmabund geht davon aus, dass die Dunkelziffer bei Asthma in Deutschland mindestens ebenso hoch ist wie die bekannte Zahl der vier Millionen Patienten.
Europaweit zeigte die „Asthma Insight and Reality in Europe Study“, so Prof. Klaus Rabe (Leiden), dass nur etwa fünf Prozent der Asthmapatienten die Ziele der 1993 definierten GINA- Leitlinien erfüllen – nämlich eine normale bis fast normale Lungenfunktion und eine hohe Lebensqualität mit minimalen Einschränkungen. Im Gegensatz hierzu gaben bei der Befragung im Rahmen der AIRE-Studie 66 Prozent der Patienten an, dass ihr Asthma gut unter Kontrolle sei. Dies bedeutet, dass die Patienten ihre Situation nicht richtig einschätzen können.
Compliance nimmt ab
Auch beklagt Rabe, dass die Empfehlungen der Atemwegsliga nur selten befolgt werden. Erwachsene Patienten mit Asthma bronchiale sollten danach ab Schweregrad 2 mit einer antientzündlichen Therapie, bevorzugt inhalativen Glucocorticoiden, behandelt werden. Ab Schweregrad III wird zusätzlich als Basistherapie die regelmäßige Gabe eines langwirksamen Beta-2-Sympathomimetikums empfohlen.
Diesen Empfehlungen entspricht nach Rabe nur ein Bruchteil der ärztlichen Verordnungen: Nur etwa 30 Prozent der Asthmapatienten erhalten inhalative Glucocorticoide und nur sechs Prozent langwirksame inhalative Beta-2-Mimetika.
Wenn Patienten auf eine antientzündliche Basistherapie mit inhalativen Corticoiden eingestellt sind, wird diese Therapie von den Patienten häufig vernachlässigt, vor allem wenn die Symptome gut unter Kontrolle sind. Eine Ursache hierfür ist die Angst vor Cortison. Da die therapeutische Wirkung der inhalativen Corticoide vom Patienten nicht unmittelbar wahrgenommen wird, besteht ein weiterer Grund, die Anwendung zu vernachlässigen. In der Regel nimmt die Compliance mit der Zahl der verschiedenen für die Bedarfstherapie und Basistherapie verordneten Inhalationssysteme ab.
Die kombinierte Anwendung eines inhalativen Glucocorticoids mit einem lang wirksamen Beta-2-Sympathomimetikum hat sich als vorteilhaft hinsichtlich Verbesserung der Lungenfunktion, der beschwerdefreien Tage und der Zahl der Exazerbationen erwiesen. Entsprechende Studien und Erfahrungen liegen für die kombinierte Anwendung von Budesonid und Formoterol vor. Nach Priv.-Doz. Tobias Welte (Magdeburg) kann der additive Effekt der beiden Substanzen auf zellulärer Ebene erklärt werden: Budesonid führt zu einer vermehrten Expression von Beta-2-Rezeptoren, Formoterol aktiviert die Glucocortocoidrezeptoren.
Das Konzept der kombinierten Anwendung von Budesonid und Formoterol wurde inzwischen durch Entwicklung einer festen Kombination der beiden Wirkstoffe in einem Pulverinhalationssystem (Symbicort® Turbohaler®, Astra Zeneca) verwirklicht. Die einfache Anwendung begünstigt die Therapietreue der Patienten und sichert die regelmäßige antiinflammatorische Basistherapie.
In dem inzwischen auch in Deutschland erhältlichen Symbicort sind Formoterol und Budesonid in jeweils niedrigen Dosen mit 6 µg Formoterol und 200 µg Budesonid pro Einzeldosis enthalten. Dies begünstigt die individuelle, dem Schweregrad der Erkrankung angepasste Dosierung. Formoterol besitzt als langwirksames Beta-2-Mimetikum den Vorteil eines sehr rasch einsetzenden Wirkungseintrittes, sodass auch eine Anwendung als Bedarfsmedikation möglich ist. Hierzu liegen allerdings noch keine Langzeiterfahrungen vor. GS
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