ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Zu den schönsten Golfplätzen Südirlands: Golf pur

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Zu den schönsten Golfplätzen Südirlands: Golf pur

Dtsch Arztebl 2002; 99(4): A-225 / B-194 / C-180

Hahne, Eberhard

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Tiefblauer, weiter Himmel mit blendendweißen Kumuluswolken tauchte den ersten Golfplatz unserer Irlandtour in porentiefes Licht. Die großzügigen Fairways der ersten neun Bahnen des Golf & Country Club St. Helens Bay nahmen die Angst vor den Kräften der starken Seebrise – eine besonders schwer zu bewältigende Eigenart der Küstenplätze. Die Backnine, insbesondere die auf den Klippen gelegenen Löcher 17 und 18, lehrten uns jedoch das Fürchten. Die erste Begegnung mit der berüchtigten Art der „Linksplätze“ ließ uns erschauern: manntiefe Topfbunker, ballverschlingendes Dünengras; schmale, sich schlängelnde Fairways; sozusagen Seealpen im Märklinformat.
Wir sind unterwegs mit einem Wohnmobil, wollen unabhängig von Hotelanlagen und den angeschlossenen Golfplätzen sein. Gerade in Irland erweist sich diese Mobilität als ideal. Die räumlichen Entfernungen sind gut zu bewältigen, die Route zu den oft weltberühmten Golfplätzen kann individuell erstellt werden, für Spontaneitäten bleibt genug Raum. Auch gestattet die eigene Kombüse eine dankbare Alternative zu der deftigen irischen Küche. Nach einer traumlosen ersten Nacht in unserem Camper wurden wir auf der Fahrt zum Mount-Juliet-Golfplatz ordentlich wachgerüttelt. Der erste Kontakt mit vom Schwerlastverkehr zermürbten irischen Landstraßen.
Mount Juliet empfängt uns mit altenglischem Charme. Wie die vornehme Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert entspricht auch der Parklandcourse den Vorstellungen von herrschaftlichen Parkanlagen. Das großzügige Areal ist durchsetzt mit hohem Buschwerk und mächtigen, jahrhundertealten Linden und Eichen. Nichts behindert den Fernblick auf die umliegenden sanften Hügel. Der Zustand der leicht ondulierten Fairways und Grüns des einzigen in Irland von Jack Nicklaus gestalteten Platzes ist vorbildlich. Der eleganteste Platz auf unserer Tour!
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Der Ring-of-Kerry-Golfplatz bietet einen grandiosen Ausblick auf die Kennmare Bay. Foto: Eberhard Hahne
Der Ring-of-Kerry-Golfplatz bietet einen grandiosen Ausblick auf die Kennmare Bay. Foto: Eberhard Hahne
ur blauen Stunde erreichten wir nach fünf Stunden Fahrt über Kilkenny und Limmerick Ballybunion. Das verschlafene Örtchen an der Mündung des Shannon steht ganz im Zeichen des Golfsports. Die 1893
gegründete Golfplatzlegende Ballybunion soll das Highlight der Reise sein. Die relativ zahmen ersten drei Bahnen des Old Course wiegen uns in trügerische Ruhe. Dann aber zeigt der Platz seine Zähne. Ein wildes Tier! So erwartet uns windumtost ein Par-3-Abschlag auf der Spitze einer 40 Meter hohen Düne. Das Grün, 187 yards (1 Yard = 0,91 m) entfernt, thront wie ein Adlerhorst auf der nächsten Düne, dazwischen gähnender Abgrund. Der kräftige Wind treibt Tränen in die Augen; starker Seetanggeruch liegt in der Luft. Die Fairways sind oft so weit vom Abschlag entfernt, dass man schon kräftig und präzise schlagen muss, um nicht bei den „Ratten und Schlangen“ zu landen. Ein zweiter von Robert Trent-Jones angelegter Kurs zeigt sich mit schmaleren Fairways und kleineren Grüns als sehr sportlich und nicht minder anspruchsvoll. Selbst gute Spieler sollten genug Reservebälle einpacken.
Pünktlich erreichten wir in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages den Trallee Golf Club (Arnie Palmers erster Golfplatz in Europa, vielleicht sein bester). Der Platz sitzt auf den Klippen und Dünen von Banna Strand, wo David Leans Welthit „Ryan’s Daughter“ gedreht wurde. Die Frontnine sind raffinierte und anspruchsvoll angelegte Küsten-Fairways (hier steht die Ruine eines Schlosses von Henry VIII.), während die Backnine sich wieder in bester Linksmanier präsentieren.
Eine Köstlichkeit wird uns auch für den nächsten Tag versprochen. Die Waterville Golf Links, an der Ballinskelligs- Bucht gelegen. „Ein Platz der Superlative“, „Ein Muss für jeden Golfer“, heißt es. Die Fairways und Grüns präsentierten sich ruppig bis ungepflegt, und nur die Bahnen 13 bis 17 haben herausfordernden Linkscharakter. Ein teurer (circa 130 A Greenfee) und von amerikanischen und japanischen Gruppen stark frequentierter Platz.
Schon die Fahrt durch den Ring-of-Kerry-Nationalpark ist ein bleibendes Erlebnis. Urwalddichte Walddurchfahrten, haushohe, blühende Rhododendren, fjordähnliche Buchten mit vorgelagerten Inseln ziehen vorbei. Zwischen der enormen Vielfalt an Grünschattierungen leuchten gelbe, blaue oder rote Häuschen, geheimnisvolle Auffahrten zu vornehmen Landsitzen wechseln mit überraschenden Fernsichten auf die Buchten.
Die erst kürzlich fertig gestellte Anlage des Ring of Kerry Golf & Country Clubs schmiegt sich an die Ausläufer der Macgillycuddy’s Reeks. Zu seinen Füßen liegt die große Bucht des Kennmare Rivers, Segelboote, winzige, sattgrüne Inseln auf tiefblauem Wasser. Vom Pflegezustand und parkähnlichen Platzdesign erinnert der Platz an Mount Juliet. Doch hier liegt die Raffinesse in der geschickt genutzten bergigen Topographie.
Irland ist eine Golfnation. 374 Golfplätze, von rustikal bis elegant, lassen keine Wünsche offen. Ein Dorado für Golfer, die ungekünsteltes Spielen abseits des Massentourismus suchen. Eberhard Hahne
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