ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2002Wodka ja, Kaffee nein!

VARIA: Schlusspunkt

Wodka ja, Kaffee nein!

Dtsch Arztebl 2002; 99(4): [92]

Pfleger, Helmut

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.Mein Gott, war früher alles einfach! Da wurde im Kaffeehaus als Wetteinsatz noch um eine Tasse Kaffee gespielt, da verließ manch einer mit entsprechender Siegessträhne das Lokal mit zehn Tassen intus. Der alte Sämisch lebte von Kaffee und Zigaretten, der ehemalige Weltmeister Botwinnik stellte sich bei seinen Wettkämpfen eine Thermoskanne dieses Trankes neben sein Brett. Hatte wohl Jean Paul gelesen: „Außer der Philosophie weiß ich kein so anregendes Mittel fürs Gehirn wie Schach und Kaffee!“ Kein Hahn krähte deswegen. Und heute? Undenkbar!
Seitdem Schach „olympisch“ werden soll, müssen sich auch die „Schachsportler“ den einschlägigen Vorschriften und Regularien unterwerfen. Beispielsweise den Dopingkontrollen. Sind Anabolika zur Stärkung des Zugarms sinnvoll? Betablocker in kritischen Phasen, wenn der Verstand möglichst wach sein soll?
Wie auch immer, der Weltschachbund FIDE warnte bei der WM in Moskau vor zu großem Konsum von Kaffee. Und auf keinen Fall gleichzeitig mit Coca-Cola! „Hüte dich vor ,Wohlwollenden‘, die dir unbekannte Substanzen anbieten! Sag zum guten Onkel ,Nein‘!“
Das Schachvolk ist aufgeschreckt. Vorbei die gute, alte Zeit, als der ehemalige Präsident des Deutschen Sportbunds, Willi Weyer, die Schachspieler nach dem erstmaligen (bekannten) Doping-Menetekel der Olympischen Spiele in Montreal 1976 als leuchtende Vorbilder pries. Nun sind wir mittendrin im Schlamassel, haben auch wir unsere Unschuld verloren!
Doch in all der Trübsal gab’s auch eine freudige Nachricht – und die Titelzeile in einer großen russischen Sportzeitung: „Wodka ist kein Doping!“ Diese Ankündigung erhielt bei der Eröffnungsfeier den größten Applaus, manch Glas (mit was wohl?) wurde darauf angestoßen. Unwillkürlich wurde man an die Kampagne Gorbatschows gegen Wodka erinnert, als der ehemalige Weltmeister Mihail Tal verkündete: „Staat gegen Wodka? Ich spiele für das Wodka-Team!“
Nun aber zu einer der letzten Inseln der Seligen, der Deutschen Ärztemeisterschaft; dort zumindest sind noch keine Dopingkontrollen angedroht.
Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob bei der letzten Ärztemeisterschaft Dr. Martin Schaefer als Führer der schwarzen Steine die in vier Zügen zum Matt führende Kombination mit Milch, Kaffee oder einfach nur aufgrund seines Talents fand. Auf jeden Fall ist sie wunderschön! Wie kam’s?

Lösung:

Der Schlüsselzug war das Turmopfer 1. . . . Td1+! Nach dem erzwungenen 2. Lxd1 folgte 2. . . . Sd3+ 3. Kf1 Dxd1+ 4. De1 Dxe1 matt. Es war wichtig, den Läufer h5 gewaltsam nach d1 zu locken, damit er nicht mehr aus der Ferne auf h5 dieses Feld kontrollieren konnte.
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