ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Galgenliederliche Morgensternericks

VARIA: Schlusspunkt

Galgenliederliche Morgensternericks

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Laut Morgenstern sitzt das Wiesel
auf Kiesel im Bachgeriesel.
Das Mondkalb meinte,
nachdem es sich reimte,
sei das Wiesel bestimmt aus Zwiesel.

Ein Tierschützer blättert im Brehm,
sucht vergebens das Nasobem.
Laut Galgenlied wüsste er,
dass er ’s nicht müsste – doch vom Brehm
hält er nichts mehr seitdem.
Das Mondschaf fragt das Mondkalb,
warum es am Mond sei,
weshalb es überhaupt lebe,
da es die Mondkuh nicht gäbe.
„Weil ich Dichters Geschöpf bin – deshalb!“

Palmström besucht mit v. Korf
(zwecks Reimes) ein böhmisches Dorf.
Sie bemerken schnell, dass dies virtuell,
und so bleibt auch das Dorf mehr amorph.

Das Mondschaf IN PLANITIE STAT
und hat das Warten gründlich satt.
Es harret der Schur.
Das Dumme ist nur,
dass niemand ein Schermesser hat.

Es nahet das Tellerhafte in raschem Lauf – jeder gaffte und fragt sich im Stillen
wie ’s (um Himmels willen)
mit sieben Gänsefüßen das schaffte.
Dinge gehen vor im Mond,
die das Mondschaf nicht gewohnt . . .
Kamen doch Kosmonauten,
die nach ihm schauten,
und ob die Mondschafzucht lohnt.

In Morgensterns Nachlass zu lesen:
Im Gefängnis sei Palmström gewesen.
Erst Staunen, dann Denken
soll Menschen lenken zur Freiheit.
Das war’n seine Thesen. [. . .]

Bis zum Ort, wo der Hund liegt begraben,
wollt’ Morgenstern hin sich wagen.
Wer „das Ding an sich“ fand,
ob Plato, ob Kant:
Die „Idee des Hund’s“ weckt solche Fragen.

Palms muhme Palma Kunkel
ist unterwegs nach Runkel
Nicht die Burg ist ihr Ziel,
sieht auch sonst nicht viel,
sie besucht lediglich ihren Unkel.

Fritz Kunkels Pudel Lorus
sang mit Palma und Palmström in Chorus
„Utopia – wir sind dir nah . . .“
zu Ehren von Thomas Morus. [. . .]

Als dann die Weltraumpiraten
den Mond erobert hatten,
(Das lag Morgenstern natürlich noch fern)
bevorzugten sie Mondkalbsbraten.

Entnommen aus: Walter A. Bauer, Schmusen
am Jadebusen. Limericks, Fouqué Literaturverlag, Egelsbach u. a., 56 Seiten, 6,40 A
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema