ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Mammakarzinom: Genprofile schärfen Prognose

AKTUELL: Akut

Mammakarzinom: Genprofile schärfen Prognose

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-237 / B-189 / C-177

Koch, Klaus

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LNSLNS Genetische Analysen könnten vielen Frauen mit Brustkrebs unnötige Therapien ersparen. Eine holländisch-amerikanische Forschergruppe um Dr. Laura van’t Veer vom Niederländischen Krebsinstitut (Amsterdam) und Dr. Stephen Friend vom Biotechunternehmen Rosetta Inpharmatics (Washington) beschreibt in der Zeitschrift „Nature“, dass Genprofile des Tumorgewebes die Genauigkeit der Prognose für Mammakarzinom-Patientinnen deutlich verbessern könnten (2002; 415: 530). Zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch eine Gruppe um Dr. André Ahr und Prof. Manfred Kaufmann von der Universität Frankfurt (Lancet 2002; 359: 131). Die holländisch-amerikanische Gruppe hat die Genprofile der Primärtumoren von 98 Frauen verglichen, deren Diagnose bereits mehr als fünf Jahre zurücklag. Die Analyse von circa 25 000 Genen zeigte, dass sich die Tumoren voneinander in etwa 5 000 Genen unterschieden. Letztlich identifizierten die Forscher 70 Gene, deren Aktivität besonders deutlich mit dem Verlauf des Tumors korrelierte.

Diese Genprofile erlaubten eine recht genaue Prognose: 34 der Patientinnen hatten innerhalb von fünf Jahren nach Diagnose Metastasen erlitten. Anhand der Genprofile konnten 31 korrekt als Karzinome mit schlechter Prognose identifiziert werden. Umgekehrt wurden unter den Tumoren von 44 Patientinnen, die nach fünf Jahren noch rückfallfrei waren, 32 zutreffend als Tumoren mit guter Prognose identifiziert. Auch die Frankfurter Gruppe konnte anhand des Genprofils Frauen mit schlechter Prognose identifizieren. Die Zuverlässigkeit der Gen-Prognosen muss nun in weiteren Studien bestätigt werden. Sollte sich die Aussagekraft bestätigen, „werden Genprofile helfen, die Therapie zu individualisieren“, sagt Manfred Kaufmann.

Nach den bisherigen, auf histologischen und klinischen Kriterien basierenden Richtlinien sind 80 bis 90 Prozent der Mammakarzinom-Patientinnen Kandidatinnen für eine adjuvante Therapie. Diese Richtlinien nehmen aber unter anderem in Kauf, dass viele der so behandelten Frauen keinen Nutzen etwa von einer Chemotherapie haben, weil sie auch ohne Behandlung keine Metastasen entwickeln würden: Genprofile könnten die Zahl dieser übertherapierten Frauen um ein Drittel verkleinern. „Zudem könnten sie bei der Wahl der optimalen Therapien gegen Tumoren mit schlechter Prognose helfen“, sagt Kaufmann: „Ich sehe in Genprofilen die Zukunft.“ Klaus Koch
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