ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Qualitätssicherung: Viele Ziele bereits erreicht

POLITIK

Qualitätssicherung: Viele Ziele bereits erreicht

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-255 / B-201 / C-189

Krumpaszky, Hans Georg

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1. Nationale Qualitätskonferenz der AQS zieht eine positive Bilanz der Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen.


Das deutsche Gesundheitswesen hat eine qualitätsoriententierte Versorgung im Sinne der 1999 von der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz in Trier beschlossenen Ziele bereits heute weitgehend erreicht. Darüber bestand Einigkeit unter den Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens am 3. und 4. Dezember 2001 in Bremen, die über den aktuellen Stand und die Möglichkeiten der Weiterentwicklung der Versorgungsqualität in Deutschland diskutierten. Ausrichter der 1. Nationalen Qualitätskonferenz war die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in der Medizin (AQS), Köln, die im Dezember 1993 von der Bundes­ärzte­kammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Spitzenverbänden der gesetzlichen Krankenkassen gegründet wurde. Die AQS ist seit Juli 1997 im § 137 b SGB V gesetzlich verankert und durch die Gesundheitsreform 2000 um die Berufsorganisationen der Krankenpflegeberufe und den Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rungen erweitert worden.
Vorzeigbare Ergebnisse
Ziel der Konferenz unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit und der Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz war, auf der Grundlage der von der 72. Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz 1999 beschlossenen „Ziele für eine einheitliche Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen“ Vorschläge zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung in den verschiedenen Versorgungsbereichen zu erarbeiten. Schwerpunktthemen der Veranstaltung waren strukturelle Rahmenbedingungen der Qualitätssicherung, Instrumente des Qualitätsmanagements, Qualitätsverbesserungen durch evidenzbasierte Medizin und Patientenorientierung im Gesundheitswesen.
Die Bestandsaufnahme zeigte, dass sieben der elf im Jahre 1999 definierten Ziele zwischenzeitlich (größtenteils) erreicht worden sind: Die Patientenorientierung wurde gestärkt (zum Beispiel durch vermehrte Patientenbefragungen), ein Clearingverfahren für medizinische Leitlinien wurde erfolgreich etabliert, internes Qualitätsmanagement steht auf der Agenda (fast) aller Krankenhäuser; die Datenlage zur vergleichenden externen Qualitätsbewertung ist durch die erfolgreiche Einrichtung der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) in Düsseldorf deutlich verbessert, durch die Aktivitäten der Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus (KTQ®) stehen künftig strukturierte (mithin vergleichbare) Qualitätsberichte der Krankenhäuser zur Verfügung, die Zahl der Qualitätspreise im Gesundheitswesen nimmt zu, und die Professionalität – insbesondere der Ärzteschaft – auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements wird durch erfolgreiche Schulungsprogramme (zum Beispiel entsprechend dem Curriculum Qualitätsmanagement der Bundes­ärzte­kammer) ausgebaut.
Weitere Anstrengungen sind aus Sicht der rund 350 Teilnehmer jedoch unter anderem zur Realisation der sektorenübergreifenden Gestaltung von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement, der Stärkung des Qualitätsmanagements im ambulanten Sektor und der Anwendung evidenzbasierter medizinischer Leitlinien notwendig.
Versäumnisse des Gesetzgebers
Die Teilnehmer stellten übereinstimmend fest, dass der Gesetzgeber die Qualitätssicherung und das Qualitätsmanagement „mehrdimensional“ gesetzlich vorgeschrieben hat, aber eine Stimmigkeit der Vorschriften bezüglich der geforderten Aktivitäten – unter anderem Health Technology Assessment, externe Qualitätssicherung, internes Qualitätsmanagement, Leitlinien – und Zuständigkeiten sowie eine Regelung offener datenschutz- und sozialrechtlicher Probleme insbesondere für eine Langzeitbeobachtung bislang versäumt hat. Die Zuständigkeiten bei der Steuerung der Qualität im Gesundheitswesen wurden – aus Sicht der Ärzteschaft – oft willkürlich unter Ausschluss der Betroffenen (insbesondere Ärzte und Pflegenden) geregelt.
Die „Politik“, die auch ein Adressat der Veranstaltung war, war in Bremen kaum präsent. Insbesondere das Fernbleiben der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin wurde bedauert. Ein kontrovers diskutierter Aspekt war die Frage, ob der „Wettbewerb“ der Krankenkassen um die Qualität der Versorgung ihrer Versicherten mit den Zielen einer einheitlichen Qualitätsstrategie im Gesundheitswesen vereinbar ist. Der erfolgreiche Verlauf ermutigt die Veranstalter, in etwa zwei bis drei Jahren eine 2. Nationale Konferenz vorzusehen. Hans Georg Krumpaszky


Aufgaben der AQS (gemäß SGB V)
- stellt den Stand der Qualitätssicherung im Gesundheitswesen fest,
- benennt den Bedarf zur Weiterentwicklung der Qualitätssicherung,
- bewertet eingeführte Qualitätssicherungsmaßnahmen auf ihre Wirksamkeit,
- erarbeitet Empfehlungen für eine an einheitlichen Grundsätzen ausgerichtete sowie sektoren- und berufsgruppenübergreifende Qualitätssicherung im Gesundheitswesen einschließlich ihrer Umsetzung und
- erstellt in regelmäßigen Abständen einen Bericht über den Stand der Qualitätssicherung.
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