ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Qualitäts-Offensive in Bayern: Zertifikate für Endoskopie

POLITIK

Qualitäts-Offensive in Bayern: Zertifikate für Endoskopie

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-256 / B-212 / C-188

Schmidt, Klaus

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Bei der Reinigung von Endoskopen muss auf besondere Hygiene geachtet werden. Foro: Peter Wirtz
Bei der Reinigung von Endoskopen muss auf besondere Hygiene geachtet werden. Foro: Peter Wirtz
Rund 600 Ärzte beteiligen sich freiwillig an einem Projekt, das die Hygiene endoskopischer Untersuchungen verbessern will.


Mit einem Zertifikat will die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) diejenigen Vertragsärzte auszeichnen, die sich freiwillig an der Verbesserung der Geräteaufbereitung in der Endoskopie beteiligen. Von 2 400 Ärztinnen und Ärzten, die Endoskopien in Bayern durchführen, haben sich 600 zu einer Qualitäts-Offensive angemeldet. Seit Mitte Januar haben bereits 40 Praxisbegehungen durch die Prüfer stattgefunden. Wer die Prüfungsbedingungen erfüllt, erhält ein entsprechendes Zertifikat.
Der Vorsitzende der KVB, Dr. med. Axel Munte, strebt an, dass nur noch Vertragsärzte an dem Strukturvertrag Endoskopie teilnehmen können, die das Zertifikat erworben haben. Der Vertrag sieht eine Vergütung zu einem Punktwert von 4,9 Cent (9,5 Pfennig) vor.
Eberhard Sinner, bayerischer Staatsminister für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz, begrüßt die Qualitäts-Offensive der KV. Der Staat könne von sich aus nicht einen riesigen Kontrollapparat auf die Beine stellen, um hier für die erforderliche Qualität zu sorgen. Er werde aber diejenigen Praxen kontrollieren, die sich nicht an der Eigeninitiative beteiligen. Munte sieht die Initiative als präventive Maßnahme, um die Akzeptanz endoskopischer Untersuchungen zu erhöhen: „Wir wollen den Patienten die Sicherheit geben, dass alle Anforderungen und Regeln in der Hygiene eingehalten werden.“
Das Projekt, erläuterte Dr. Lutz Bader, Mikrobiologe am Münchner Max-von-Pettenkofer-Institut, werde von einem Konsortium aus 17 mikrobiologischen Laboren betreut. Ausgangspunkt war die HYGEA-Studie in 30 ambulanten und 25 stationären Einrichtungen, die in den Jahren 1999 und 2000 durchgeführt worden war. Die Studie hatte zum Teil erhebliche Hygiene-Defizite in der routinemäßigen Endoskopaufbereitung aufgedeckt. Die Praxen der Vertragsärzte schnitten dabei schlechter ab als die Kliniken, bei denen mehrheitlich ERD-Vollautomaten zur Reinigung und Desinfektion eingesetzt werden. In Praxen sind solche Automaten aus Kostengründen weitaus seltener vorhanden. Von den 30 untersuchten Praxen hatten nur sechs eine solche Vorrichtung. Ein Vollautomat kostet circa 20 000 A.
Ärzte, die sich an der freiwilligen Qualitäts-Offensive beteiligen, sollen dies auch nach außen dokumentieren können. Axel Munte möchte, dass die Ärzte ihr Zertifikat beispielsweise auf ihrer Internet-Homepage zeigen können. Ge­sund­heits­mi­nis­ter Sinner sagte in diesem Zusammenhang zu, auf dem Internet-Gesundheitsportal seines Verbraucherinformationssystems ebenfalls Links zu Listen dieser zertifizierten Praxen zu veröffentlichen, damit die Bürger sich darüber informieren können, welche Praxen die Qualitätsanforderungen erfüllen. Die Gesamtkosten des Projekts werden mit 200 000 bis 350 000 A kalkuliert. Klaus Schmidt
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