ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Milzbrand: Dekontamination
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LNSLNS . . . Eine derzeit häufig gestellte Frage ist die effektive Dekontamination bei Milzbranderregern. Natürlich gehen wir mit den Empfehlungen des RKI konform, dass zur Händedekontamination gründliches Händewaschen und anschließende Desinfektion mit 0,2-%-Peressigsäure (Einwirkzeit 2 × 1 Minute) und zur Flächendesinfektion 1-%-Peressigsäure (Einwirkzeit 30 Minuten) oder 10 % Formaldehyd (Einwirkzeit zwei Stunden) ausreicht (RKI, 24. Oktober 2001), auch wenn dies in der Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Flächendesinfektionsmittel vom 15. Juni 1997 im Bundesgesundheitsblatt (13. Auflage) für den Wirkungsbereich C (Abtötung von Sporen des Erregers des Milzbrandes) nicht ausgewiesen wurde.
In einer vergleichenden Studie wurden Bacillus-subtilis-Sporen durch Lösungen von Natrium-Hypochlorid, Peressigsäure und Kupfer-Ascorbinsalz zu über 99,9 % innerhalb von 30 Minuten bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius abgetötet. Glutaraldehyd inaktivierte etwa 90 % der Sporen unter gleichen Bedingungen, während Wasserstoffperoxyd, Formaldehyd und Phenol nur einen geringen sporiciden Effekt aufwiesen (Sagripanti et al., 1996). Unverdünnte flüssige Haushaltsbleiche (Natrium-Hypochlorid) ist in der Lage 99,8 % der Sporen von Bacillus anthracis nach einer Einwirkzeit von einer Minute zu inaktivieren. Eine Verdünnung von 1 : 20 der Haushaltsbleiche erreichte eine 100-%-Inaktivierung von Anthraxsporen nach 15 Minuten Einwirkzeit (Hawley et al., 2001).
Klinisch relevant für die Wund- beziehungsweise Hautdekontamination ist BCTP 401 (eine nichtgiftige, antimikrobielle Nano-Emulsion aus Seifen und Ölen in 80 % Wasser), die in einer Verdünnung von 1 : 1 000 über 90 % Bacillus-anthracis-Sporen abtöten konnte. Im Mausmodell konnte durch Wundspülung eine Stunde nach Inokulation von Anthraxspuren die Größe von Hautläsionen um 98 % reduziert und die Letalität um das Dreifache gesenkt werden (Hamouda et al., 1999). Dieses Präparat ist unseres Wissens derzeit in Deutschland nicht erhältlich.
Literatur bei den Verfassern
Dr. med. M. Lademann, Prof. Dr. med. E. C. Reisinger, Abteilung für Tropenmedizin und Infektionskrankheiten, Universität Rostock, Ernst-Heydemann-Straße 6, 18057 Rostock, Prof. Dr. med. L. Gürtler, Löffler Institut für Medizinische Mikrobiologie, Martin-Luther-Straße 6, 17489 Greifswald
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