ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Sterbehilfe: Mehr Palliativmedizin
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LNSLNS Die sehr lesenswerte kurze Übersicht zeigt eines sehr deutlich: Auch unter den Bedingungen von Menschenwürde, Selbstbestimmungsrecht und Selbstbestimmungsverantwortung führen viele Wege in das Reich des Todes. Menschliches Leben ist eben etwas sehr Individuelles in des Wortes ursprünglicher Bedeutung. Diesem Sachverhalt haben sich Jurisprudenz und Medizin zu beugen. Das gilt ausnahmslos, bietet aber insbesondere für die großen Gruppen von Menschen am Anfang und am Ende des Lebens, einschließlich der chronisch und unheilbar Kranken, entwicklungsbedingte spezifische Schwierigkeiten. Beide Entwicklungsstufen menschlichen Lebens sind durch Hilfsbedürftigkeit charakterisiert; in beiden Gruppen ist daher die Frage nach der Berechtigung zu Wahrnehmung des mutmaßlichen individuellen Selbstbestimmungsrechts durch Dritte (Verwandte, aber auch amtliche Pflege- beziehungsweise Vormundschaften) das zentrale Problem. Die verheerenden Folgen einer solchen Fremdbestimmung sind in der neuzeitlichen deutschen Geschichte ausreichend und umfangreich dokumentiert. So bleibt nur ein Weg: unter Beachtung
der Ehrfurcht vor dem Leben lediglich jenen Rahmen rechtlich zu normieren, der die Mindestanforderungen an die unverzichtbaren Hilfeleistungen am mutmaßlichen Lebensende unter dem Aspekt einer „In-dubio-pro-vita“ beschreibt. Allen jenen, die einer aktiven Sterbehilfe das Wort reden, seien die Erfahrungen und das Vermächtnis von Lucie Adelsberger – Ärztin und Häftling im KZ Auschwitz (1943 bis 1945) – in Erinnerung gerufen: „Wenn das Leben nichts mehr gilt, verschwindet auch die Achtung vor dem Toten.“ Der Deutsche Ärztetag 2001 hat zur Problematik einer aktiven Sterbehilfe erfreulich klar und ablehnend Stellung bezogen . . . und sich für eine dringend notwendige Förderung und den Ausbau von Palliativmedizin, einschließlich differenzierter Schmerztherapie, ausgesprochen. Wir sollten im Interesse eines grundsätzlich lebensbejahenden Selbstverständnisses und der Vertrauenswürdigkeit unseres ärztlichen Berufes unter keinen Umständen davon abweichen.
Prof. Dr. Lothar Prinz, Fontaneweg 07, 18146 Rostock
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