ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Arbeitsrecht: Nicht zur Nachahmung empfohlen

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Arbeitsrecht: Nicht zur Nachahmung empfohlen

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-278 / B-222 / C-209

Riemer, Martin

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LNSLNS Ein HNO-Chefarzt lässt einen AiP alleine an den OP-Tisch und gibt Anweisung zur Fälschung des Operationsprotokolls. – Auch wenn es gut ging: sicherlich war dieses Vorgehen nicht mehr von der Einwilligung des Patienten gedeckt. Daher erstaunt es, wenn das Landesarbeitsgericht Köln die fristlose Kündigung des Abteilungsleiters aufhob. Chefärzte, die „kleinere Operationen“ an Auszubildende delegieren und zum Nachteil der Patienten falsche Protokolle fertigen lassen, können weder dem Krankenhausträger noch den Beitragszahlern zugemutet werden. Wer garantiert im Übrigen, dass die Grenze des „kleineren Eingriffs“ nicht mit zunehmender Arbeitsbelastung in den Kliniken nach hinten rutscht. Zum Vergleich: Man stelle sich vor, ein Gerichtspräsident würde es wagen, einen Rechtsreferendar mit der selbstständigen Durchführung von Strafverfahren zu befassen, um seine Behörde zu entlasten. Mit ziemlicher Sicherheit wird dieser Richter vom Justizminister entlassen, ganz gleich ob es nur um einen Ladendiebstahl oder ein anderes Bagatelldelikt geht, und auch egal, wie viele treue Dienstjahre er hinter sich hat. Und das, obwohl sich – anders als eine HNO-Operation – ein juristisches Fehlurteil mit einem kurzen Federstrich wieder aus der Welt schaffen lässt. Was mag die Arbeitsrichter, die im eigenen Haus so hohe Anforderungen stellen, also dazu bewogen haben, den HNO-OP zum Seminarraum zu erklären? Die Urteilsbegründung ist für jedermann nachlesbar veröffentlicht. Aber wie auch immer: dem medizinischen Versorgungsstandard haben sie damit keinen Dienst erwiesen.
Martin Riemer, Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, 33602 Bielefeld
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