ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Kindesmisshandlung: Kreislauf der Gewalt durchbrechen

MEDIZIN: Referiert

Kindesmisshandlung: Kreislauf der Gewalt durchbrechen

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-291 / B-230 / C-217

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LNSLNS In der Kindheit missbrauchte Frauen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, auch als Erwachsene wieder Opfer von Gewalt zu werden.
Jeremy Coid et al. werteten insgesamt 1 207 Fragebögen aus, die anonym von einer zufälligen Auswahl von Patientinnen mehrerer Londoner Allgemeinarztpraxen erhoben wurden. Es zeigte sich, dass besonders die Schwere und die Dauer des Missbrauchs mit dem späteren Schicksal der Frauen in Zusammenhang stehen.
Frauen, die in ihrer Kindheit missbraucht worden waren, litten auch später in ihrem Leben unter ähnlichen Gewaltformen. Ungewollte sexuelle Aktivitäten zum Beispiel waren gefolgt von Vergewaltigungen, sexuellen Angriffen und anderen traumatischen Erlebnissen sexueller Natur.
Kindliche Erfahrungen mit sexueller Nötigung und das wiederholte Erleben von körperlicher Gewalt bedingten sowohl sexuellen als auch körperlichen Missbrauch der betroffenen Frauen. Alkohol- und Drogenmissbrauch waren ebenfalls signifikant mit sexueller und körperlicher Gewalt verbunden. Da das Studiendesign aber keine direktionale Verknüpfung erlaubte und auch keine Information über das Sexualverhalten der Opfer zur Verfügung stand, konnten weitere Zusammenhänge nicht erhoben werden, bemerken die Autoren.
Misshandelten und missbrauchten Kindern sollte mehr Aufmerksamkeit zuteil werden, fordern Coid et al. Der Ausbau therapeutischer Interventionsmöglichkeiten würde es erlauben, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und die oftmals unausweichlichen „gebrochenen“ Karrieren der betroffenen Frauen zu verhindern. goa

Coid J et al.: Relation between childhood sexual and physical abuse and risk of revictimisation in women: a cross-sectional survey. Lancet 2001; 358: 450–445.

Jeremy Coid, Forensic Psychiatry Research Unit, St. Bartholomew’s Hospital, London, England.

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