ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Bedeutung des Nachweises von humanen Papillomviren für die Vorsorge: DNA-Aneuploidie als Progressionsmarker

MEDIZIN: Diskussion

Bedeutung des Nachweises von humanen Papillomviren für die Vorsorge: DNA-Aneuploidie als Progressionsmarker

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-299 / B-238 / C-225

Bollmann, Reinhard

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LNSLNS Die Übersicht zum Thema HPV und Krebsvorsorge kommt zum richtigen Zeitpunkt und ist sehr zu begrüßen, da hier wissenschaftliche Ergebnisse wertfrei dargestellt werden.
Die Autoren erwähnen als Hilfe bei der prognostischen Beurteilung unklarer zytologischer Läsionen die so genannten Progressionsmarker, vergessen dabei allerdings leider die DNA-Aneuploidie in der Aufzählung. International ist DNA-Aneuploidie als ein Progressionsmarker anerkannt: DNA-aneuploide Läsionen sind progredient und entsprechen der HSIL („high-grade squamous intraepithelial lesion“) der Bethesda-Nomenklatur. Die DNA-Ploidie ist einfach durch Zytometrie an Präparaten der Vorsorgezytologie messbar und gehört in vielen Institutionen zur diagnostischen Routine.
Eine Objektivierung zytologisch unklarer oder positiver Befunde sollte nach unserer Erfahrung kombiniert erfolgen durch gleichzeitige Bestimmung des HPV-Status mit der PCR und der DNA-Ploidie.
In einer noch unveröffentlichten eigenen Serie von 44 ASCUS-Fällen (Pap „IIw“, „III“), diagnostiziert an Monolayerpräparaten, fanden wir zwölf mit HR-HPV. Unter diesen zwölf HR-HPV-Fällen waren drei DNA-aneuploid.
Unter 114 Dysplasien ließen sich 105 mit HR-HPV nachweisen, davon waren 53 DNA-aneuploid. Wir sehen DNA-aneuploide HR-HPV Läsionen als progressiv an und raten zur Kolposkopie mit Biopsie und Sanierung.
Besonders wesentlich erscheint mir der Hinweis der Autoren, dass zytologisch unklare Veränderungen mittels molekularbiologischem HPV-Nachweis kosteneffizienter bestimmt werden können, als durch wiederholte zytologische Untersuchungen. Diese Feststellung findet allerdings kein entsprechendes Korrelat im EBM, da die in der Arbeit erwähnte HPV-PCR als internationaler Goldstandard im Kapitel P nicht abgerechnet werden kann. Die Leistungslegende zu den Ziffern 4982 und 4984 schließt die Untersuchung viraler DNA aus und erlaubt nur molekularbiologische Untersuchungen an menschlicher DNA. Insofern konterkariert der EBM die derzeitigen wissenschaftlichen Tatsachen.
In diesem Zusammenhang interessiert auch der tabellarische Vergleich der Sensitivität von PCR und Hybrid Capture II in der Übersichtsarbeit, der zeigt, dass etwa 38 Prozent der onkogenen Virustypen mit dem Hybrid Capture II nicht entdeckt werden, der Test also hier ein falschnegatives Ergebnis liefert. Trotzdem kann dieser Test im Laborkapitel abgerechnet werden, die HPV-PCR nicht und scheint somit nur als IGEL (individuelle Gesundheitsleistung) möglich.

Dr. med. Reinhard Bollmann
Institut für Pathologie
Heilsbachstraße 15, 53123 Bonn
E-Mail: Reinhard@Bollmann.com

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