ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Bedeutung des Nachweises von humanen Papillomviren für die Vorsorge: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Bedeutung des Nachweises von humanen Papillomviren für die Vorsorge: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-299 / B-238 / C-225

Schneider, Achim

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LNSLNS Der Ploidiestatus dysplatischer Zellen in zytologischen Präparaten kann durch DNA-Image Zytometrie bestimmt werden (1) und ist laut Ziffer 4968 des EBM für die Dignitätsklärung von Dysplasien der Cervix uteri abrechenbar. Ein durch Metaanalyse ermittelter negativer Vorhersagewert von 85 Prozent (1) erscheint jedoch zu niedrig, um diese Methode als Progressionsmarker für die klinische Routine zu empfehlen. Zudem ist die Untersuchungsmethode noch nicht standardisiert: unter anderem verwendet Herr Bollmann in seiner noch nicht publizierten Studie Monolayerpräparate, in früheren Studien wurden konventionelle Ausstrichpräparate verwendet.
Bezüglich der Untersuchung von zytologisch unklaren Veränderungen mittels molekularbiologischem HPV-Nachweis wurde die Kosteneffizienz bisher nur für das amerikanische Gesundheitssystem durch eine Studie gezeigt (3). Das Ergebnis des ALTS-Trial bezüglich Kosteneffizienz steht noch aus (4). Für das deutsche Gesundheitssystem liegen noch keine Daten vor. Wir sind, wie Herr Bollmann, der Meinung, dass für den HPV-Nachweis bezüglich Sensitivität und Spezifität PCR-basierte Verfahren dem kommerziell verfügbaren Hybrid Capture II überlegen sind.
Mit dem PCR-basierenden Verfahren können erheblich mehr onkogene Typen erfasst werden (2), wobei die Prävalenz dieser weiteren HPV-Typen jedoch nicht mehr als etwa zehn Prozent der HPV-
positiven Routineabstriche ausmachen. Andererseits ist die PCR-Technologie anspruchsvoller und unter Routinebedingungen schwerer durchzuführen. Wir stimmen mit Herrn Bollmann darin überein, dass es keinen Grund dafür gibt, im Moment das eine oder andere HPV-Nachweisverfahren im Leistungskatalog des EBM zu bevorzugen oder auszuschließen und dass hier der freie Wettbewerb zum Tragen kommen sollte.

Literatur
1. Böcking A: Abklärung plattenepithelialer Dysplasien mittels DNA-Bildzytometrie. Dtsch Arztebl 1998; 95: A 658– 662 [Heft 12].
2. Jacobs MV et al.: Distribution of 37 mucusotropic HPV
types in women with cytologically normal cervical smear: the age-related patterns for high-risk and low-risk types. Int J Cancer 2000; 87: 221–227.
3. Manos MM, Kinney WK, Hurley LB et al.: Identifying
women with cervical neoplasia: using human papillomavirus DNA testing for equivocal Papanicolaou results.
JAMA 1999; 281: 1605–1610.
4. Solomon D, Schiffmann M, Tarone R: Comparison of three management strategies for patients with atypical
squamous cells of undetermined significance: baseline results from a randomized trial. J Natl Cancer Inst 2001; 93: 293–299.

Prof. Dr. med. Achim Schneider, MD, MPH
Abteilung Frauenheilkunde
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18, 07740 Jena
E-Mail: Achim.Schneider@med.uni-jena.de

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