ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Coffein: Coffein - Komplexe Pharmakologie des guten Geschmacks

MEDIZIN: Diskussion

Coffein: Coffein - Komplexe Pharmakologie des guten Geschmacks

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-301 / B-240 / C-227

Raschka, Christoph; Koch, Horst

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In ihrem Artikel beschreiben Adam und Forth fundiert die Pharmazeutische Biologie, Pharmakologie und Pharmakokinetik von Coffein und Methylxanthinen und tragen zu einer Versachlichung der Diskussion bei. Einige praktische pharmakologische Eigenschaften von Coffein sollten noch ergänzt werden. Die von den Autoren erwähnten kardiovaskulären Effekte führen zur deutlichen Leistungssteigerung im Sport. Bruce et al. (1) untersuchten die Leistungsfähigkeit von Ruderern (2 000 m) und fanden eine Verbesserung der mittleren Zeiten von 1,2 Prozent nach Einnahme von 6 mg/kg Coffein entsprechend einer Urinkonzentration von 6,2 mg/L. Um dem Missbrauch im Leistungssport vorzubeugen, hat das IOC die zulässige Urinkonzentration auf 12 mg/L begrenzt (2), was bei der Betreuung von Athleten beachtet werden muss. Aus Sicht des Klinischen Pharmakologen ist Coffein eine interessante Substanz, da es eine einfache, verlässliche und sichere Bestimmung der CYP1A2-Aktivität, sowohl über Plasma-, Speichel- oder Urinproben, ermöglicht (3). Coffein erhöht die Empfindlichkeit für Hypoglykämien bei Diabetikern (4), eine pharmakologische Eigenschaft, die sich in der Diabetologie praktisch nutzen lässt. Coffein beeinflusst in Dosen von 2,5 und 5,0 mg/kg den Nucleus accumbens (Teil des „Belohnungssystems“ mit funktionellem Antagonismus zwischen Adenosin-[A2A-] und Dopaminrezeptoren) nicht, sodass es experimentell keine Hinweise für ein Abhängigkeitspotenzial gibt (5). Individuelle Verträglichkeit vorausgesetzt, lässt sich gegen Kaffee mit Maß und Ziel von wissenschaftlicher Seite kaum etwas einwenden.

Literatur
1. Bruce CR, Andersen ME, Fraser SF et al.: Enhancement of 2000-m rowing performance after caffeine ingestion. Med Sci Sports Exerc 2000; 32: 1958–1963.
2. Carrillo JA, Benitez J: Clinically significant pharmacokinetic interaction between dietary caffeine and medications. Clin Pharmacokin 2000; 39: 127–153.
3. Carrillo JA, Christensen M, Ramos SI et al.: Evaluation of caffeine as in vivo probe for CYP1 A2 using measurements in plasma, saliva, and urine. Ther Drug Monit 2001; 22: 409–417.
4. Watson J, Kerr D: The best defense against hypoglycemia is to recognize it: is caffeine useful? Diabetes Technicol Ther 1999; 1: 193–200.
5. Nehling A, Boyet S: Dose-response study of caffeine
effects on cerebral functional activity with a specific
focus on dependence. Brain Res 2001; 858: 71–77.

Dr. med. Dr. rer. nat. Horst Koch
Weiherweg 25
93053 Regensburg

Dr. med. Dr. rer. nat. Dr. Sportwiss.
Christoph Raschka
Institut für Sportwissenschaften der
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Ginnheimer Landstraße 39
60487 Frankfurt am Main

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige