ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Operngala: Ein Wunschkonzert mit Stars

VARIA: Feuilleton

Operngala: Ein Wunschkonzert mit Stars

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-302 / B-241 / C-228

Juds, Bernd

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Boris Becker, Udo Jürgens, Iris Berben (von links nach rechts) Foto: Deutsche Aids-Stiftung
Boris Becker, Udo Jürgens, Iris Berben (von links nach rechts)
Foto: Deutsche Aids-Stiftung
In der Deutschen Oper Berlin sangen unter anderem Thomas Quasthoff und Michael Dawidoff zugunsten der Aids-Stiftung.


Bei den Facts würde der Spaß des Galakonzerts aufhören. Da erinnert – im Programmheft – die Schirmherrin und Kuratoriumsvorsitzende Rita Süssmuth an die „prekäre gesundheitliche und soziale Situa-
tion“ der Aids-Kranken:
Die Folgeerkrankungen seien zwar „vorerst behandelbar, das Virus selbst bleibt aber bisher unbesiegt“. Die Deutsche Aids-Stiftung wolle den Betroffenen auch zu einem „Zuhause im Kiez“ verhelfen, es gehe um elementare Bedürfnisse: „Zuschüsse zum Kauf einer Waschmaschine, um Telefonanschluss am Krankenbett, um Versorgung mit Wasser und Wärme“.
Aber die Facts – bei früheren Aids-Benefizkonzerten in der Deutschen Oper von den „Fest“-Rednern stets erwähnt – fallen diesmal weg. Die Wegdenkgesellschaft hat allenfalls Zeit für die drei Minuten von Intendant Udo Zimmermann, der von „Signalen der Zeit“ spricht, von „Entfremdung, Verdinglichung und Verwüstung, verbunden mit zunehmender Missachtung der Nächstenliebe“ und von „Terror, Intoleranz und Gewalt“. Zimmermann nennt noch den Erlös der Benefizveranstaltung 2000: 1,2 Millionen DM.
Ein großes Fest Ende letzten Jahres, bei dem einzig
die unmilitärische Detonation der Sektkorken die Gemüter schreckte: Marcello Viotti dirigierte das Orchester der Deutschen Oper. Ein Wunschkonzert mit Stars – zwei Weltstars hatten abgesagt: die Baltsa und Simon Estes. Man eröffnete mit Mozart – das Stimmwunder Thomas Quasthoff gewann Bravos und Herzen aller Brillantendamen mit Graf Almavivas „Hai gia vinto la causa“. Von Donizetti über Bizet bis zur „Fledermaus“ und Leonard Bernstein reichte das Programm. Als Moderator Vicco von Bülow „Cavalleria Rusticana“ und Michael Dawidoff ansagte und Turiddus Klageruf „Mamma se non tornasse“ erklang, quittierten die (hörbar zahlreichen) Heintje-Fans im Auditorium dies – mit Lachsalven.
Die geberfreudige Spaßgesellschaft war zusammen: auf der Promi-Liste TV-Moderatoren und Boris Becker, Industrie- und Hochadel, entthronte und avancierende Politici. Aber auch Parlaments-Chef Wolfgang Thierse und ein paar Kulturschaffende. Loriot, der diesmal die Politik verschonte, wurde am Ende zum Ehrenmitglied der Deutschen Oper ernannt. Die nächste Aids-Gala findet am 16. November statt. Bernd Juds

Das Orchester der Deutschen Oper
Das Orchester der Deutschen Oper


Der Gesamterlös aus den Gala-Abenden seit 1994 betrug 4,5 Millionen Mark (allein 1,2 Millionen erbrachte die Gala 2000). Der Erlös kam Betroffenen und Hilfsprojekten zugute. Die Stiftung förderte auch Gespräche von Erkrankten und Schulklassen. Ein Projekt für betroffene Frauen und allein erziehende Berliner Mütter wurde mit 15 000 DM gefördert. Mit dem „Café Orangerie“ wurde eine Begegnungsstätte eingerichtet, man kocht füreinander, es gibt gesunde Nahrung und Informationen. Café und Küche erhielten 50 000 DM. Für Projektförderung wurden seit 1994 eine Million Mark, für Einzelfallhilfen sechs Millionen Mark ausgegeben.
Laut Satzung will die Deutsche Aids-Stiftung „die Lebensbedingungen von HIV-Positiven und an Aids erkrankten Menschen verbessern und ihr Selbstvertrauen stärken, sodass sie ein selbstverantwortliches, sinnerfülltes und sozial akzeptiertes Leben führen können“.
Informationen: Deutsche Aids-Stiftung, Bonn – Telefon: 02 28/60 46 90
Spendenkonto: WestLB Köln; BLZ 370 500 00; Konto-Nr. 4 004
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