ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2002Atopische Dermatitis: Tacrolimus bald als topische Alternative

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Atopische Dermatitis: Tacrolimus bald als topische Alternative

Dtsch Arztebl 2002; 99(5): A-305 / B-250 / C-226

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Seit der Einführung der Glucocorticoide vor circa 40 Jahren ist erstmals ein neues therapeutisches Prinzip zur Lokalbehandlung der atopischen Dermatitis in Sicht: Topisch applizierbare Immunmodulatoren, die keine Atrophie der Haut bewirken. Als erster Vertreter dieser Substanzklasse ist Tacrolimus in Japan, USA und Kanada bereits zugelassen. In Europa wird Protopic® wahrscheinlich im zweiten Quartal 2002 auf den Markt kommen.
Die bisherigen Erfahrungen mit Tacrolimus wurden bei einem Satelliten-Symposium der Firma Fujisawa (München) im Rahmen des 10. Kongresses der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie in München vorgestellt. Prof. Thomas Ruzicka (Düsseldorf) und sein Münchener Kollege Prof. Johannes Ring werteten die neue Wirksubstanz als Meilenstein in der Lokaltherapie der atopischen Dermatitis (AD), weil sie die immunologische Imbalance in der Haut ausgleicht: Durch die TH2-getriebene Hypersensitivität auf Allergene werden inflammatorische Zytokine ausgeschüttet, die die allergische Hautirritation initiieren. Tacrolimus inhibiert diese Zytokinproduktion.
Wie Prof. Malcolm Rustin (London) berichtete, wurde Tacrolimus-Salbe in 28 klinischen Studien bei mehr als 10 000 Patienten getestet. Bei Erwachsenen mit moderater bis schwerer AD (n = 570) zeigten sich nach dreiwöchiger Anwendung von 0,1-prozentiger Tacrolimus-Salbe (bid) ebenso gute klinische Hautverbesserungen wie beim Einsatz des mittelpotenten Hydrocortisonbutyrats (0,1 Prozent); bei niedrigerer Dosierung der neuen Substanz (0,03 Prozent bid) waren die Ergebnisse etwas schlechter. Rustin stufte Tacrolimus als gut verträglich ein, charakteristisch sei ein anfängliches Brennen und Jucken an den Applikationsstellen.
Ähnliche Erfahrungen zitierte Prof. Jan Bos (Amsterdam) anhand einer Studie mit 560 Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer AD. Hier wurde Tacrolimus in beiden Dosierungen mit der topischen Standardtherapie, dem schwach wirksamen Hydrocortisonacetat (ein Prozent), verglichen. Bereits nach drei Tagen wurden klinische Besserungen dokumentiert; nach dreiwöchiger Therapie schnitt Tacrolimus in beiden Dosierungen hinsichtlich der klinischen Besserungsraten (> 90 Prozent) in einem speziellen Bewertungssystem (mEASI) signifikant besser ab als die Standardbehandlung. Die Nebenwirkungen – transientes Brennen und Jucken zu Beginn der Therapie drei Tage lang – entsprachen denjenigen bei Erwachsenen. Bos stufte deshalb die neue Salbe als gut verträglich ein.
Bei längerfristiger Anwendung hat Prof. Sakari Reitamo (Helsinki) eine kontinuierliche Verbesserung der befallenen Hautareale beobachtet – ohne Hautatrophie oder Tachyphylaxie. Bei Patienten, die nach einem Jahr Therapie „geheilt“ waren (> 90-prozentige Besserung), konnte eine Normalisierung der Hautbarriere und ein Abfall des Serum-IgE nachgewiesen werden. Dies mache die Monotherapie mit Tacrolimus zu einer Herausforderung für die therapeutischen Standards.
Wie Cyclosporin A sei die neue Substanz den Immunsuppressiva zuzuordnen, die Blutspiegel bei topischer Applikation lägen jedoch um ein Vielfaches niedriger (0,01 ng/ml bei 0,03-prozentiger und 0,2 ng/ml bei 0,1-prozentiiger Salbe) als die Erhaltungsspiegel nach Transplantationen (5 bis 15 ng/ml), so Bos. Deshalb sei es nicht notwendig, im Umgang mit der Sonne spezifische Restriktionen auszusprechen – die allgemeingültigen Empfehlungen zur UV-Exposition sollten jedoch beachtet werden.
Aufgrund des pathogenetischen Ansatzes an den TH2-Zytokinen sind für Tacrolimus prinzipiell auch andere Hauterkrankungen potenzielle Indikationen, bei denen diese Botenstoffe involviert sind.
Dr. Renate Leinmüller
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