ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Mammographie-Screening_ Konkurrenz statt Kooperation

AKTUELL: Akut

Mammographie-Screening_ Konkurrenz statt Kooperation

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-321 / B-257 / C-245

Koch, Klaus; Leinmüller, Renate

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LNSLNS Der Widerstand gegen die Mammographie-Modellprojekte verhärtet sich. Eine Gruppe Wiesbadener Frauenärzte fordert jetzt, das in Hessen laufende Mammographie-Screening-Modellprojekt auszusetzen und grundlegend neu zu strukturieren. Zwei der vier bislang an dem Versuch teilnehmenden Kliniken sind bereits mit deutlicher Kritik an den Planern des Projektes aus der Kooperation ausgestiegen. Damit ist eines von insgesamt drei Experimenten gefährdet, die die Frage prüfen sollen, ob sich auch in Deutschland Reihenuntersuchungen auf Brustkrebs nach schwedischem oder niederländischem Muster etablieren lassen. In diesen Ländern liegt die Früherkennung nicht in den Händen von niedergelassenen Ärzten, sondern in denen von Screening-Spezialisten. Das für die Planung zuständige Zentralinstitut für Kassenärztliche Versorgung in Köln geht davon aus, dass sich nur durch die Konzentration der Röntgen-Untersuchung auf wenige Zentren die nötige Qualität sichern lässt (DÄ 42/2000). Eine Gruppe von Frauenärzten um die beiden ausgeschiedenen Kliniken bezweifelt das. Niedergelassene Frauen- und Hausärzte waren an dem Modellprojekt bislang nicht beteiligt. Da zwei Kliniken im Projekt geblieben sind, kann das Programm in Wiesbaden allerdings fortgeführt werden. Die Frage ist aber, wie sich der Widerstand der Gynäkologen auf die Akzeptanz des Screenings bei den Frauen auswirken wird. Bislang liegt die Teilnahmequote bei 50 Prozent, die Planungsstelle will 70 Prozent erreichen.

Bezeichnend ist, dass die beiden Kliniken ihr Ausscheiden vor allem mit grundlegenden Zweifeln an der in Wiesbaden eingeführten Form der Reihenuntersuchung begründen; Verbesserungsvorschläge seien nicht aufgegriffen worden. In Wiesbaden werden eingeladene Frauen im Screening-Zentrum ohne weitere Vorselektion oder Anamnese von speziell ausgebildeten Röntgenassistentinnen mammographiert. Gerade diese ungefilterte Einladung aller Frauen im Alter zwischen 50 und 69 ist das Kernelement der Reihenuntersuchung. Dr. Andreas du Bois, Chefarzt der Frauenklinik an der Dr.-Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden, bemängelt hingegen, „dass den betroffenen Frauen die Möglichkeit gegeben werden muss, [den Arzt] ihres Vertrauens in die Früherkennung einzubeziehen“.

Während sich in Deutschland verschiedene Ärztegruppen um das „Wie“ der Früherkennung streiten, weitet sich international eine Auseinandersetzung darum aus, ob Mammographie-Screening überhaupt eine taugliche Methode zur Früherkennung von Brustkrebs ist. Anlass ist eine Analyse dänischer Wissenschaftler, nach der die bislang vorliegenden Studien aufgrund methodischer Fehler den Nutzen
möglicherweise überschätzen (DÄ 43/2001).
Klaus Koch, Dr. Renate Leinmüller
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