ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Krankenhaus: Patient ist Mittelpunkt

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Krankenhaus: Patient ist Mittelpunkt

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-348 / B-282 / C-265

Scheibe, O.

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LNSLNS . . . Die Chefarztvisite alter Tradition vor 30–40 Jahren, vor allem an Universitätskliniken, kann man nicht auf eine Chefarztvisite in einem kleinen oder großen Krankenhaus übertragen. In der Universitätsklinik spielt neben dem Kontakt zu den Patienten vor allem die Weiterbildung eine tragende Rolle, während sie schon wegen der meist kleineren Zimmer in einem Krankenhaus zweitrangig ist. Eine Chefarztvisite in jedem Krankenhaus ohne „Kurven“, Röntgenbilder und Unterlagen, ohne den auf der Station beschäftigten AiP, die Krankengymnastin und eventuell den Pfleger bedeutet dann doppelte Zeit, wenn sich diese vorwiegend dem Patienten zugewandte Visite (Besuch) in einer anschließenden Chefarzt-Besprechung „bei einem guten Kaffee“ ergänzt. Dies bedeutet doppelte Zeit. Diese doppelte Zeit kann vermieden werden, wenn die täglich ein- bis zweimal durchgeführten Röntgenvisiten, Indikationsbesprechungen etc. dem Patienten und seiner Behandlung gewidmet werden. Bei jeder Chefvisite ist der Patient der Mittelpunkt. Er wird folgedessen als erstes begrüßt, nach seinem Befinden gefragt, und erst dann wird der fachliche Krankheitsverlauf betrachtet, dieser aber erst ante portas diskutiert. Eine paranoiagene Wirkung auf die Mitarbeiter habe ich weder selbst als Assistent und Oberarzt noch später 19 Jahre lang als Chefarzt bei meinen Mitarbeitern bemerkt.
Eine Anmerkung sei mir gestattet: Die Chefarztvisite soll einerseits ein Instrument der Qualitätssicherung sein, andererseits der System-Stabilisierung und der Angstbindung dienen. Ich weiß nicht, wer hier Angst hat, haben muss, wenn es nicht der Chef selbst ist, der den falschen Mann an den falschen Ort eingesetzt hat. Aus dem Beitrag spricht eine langjährige Erfahrung eines Chefarztes, der sich aber wohl noch nicht im klaren ist, dass bei jeder Visite – egal in welcher Aufmachung, bei welcher Zahl der Mitarbeiter, bei welchen Unterlagen – der Patient der einzige Mittelpunkt ist.
Prof. Dr. med. O. Scheibe, Thüringer-Wald-Straße 33, 70469 Stuttgart
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