ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Fachärztetag: Schlechtere Qualität wird in Kauf genommen
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LNSLNS Dieser Beitrag zeigt recht gut die argumentative Misere unserer Interessenvertretungen. Natürlich wird die fachärztliche Versorgung im Krankenhaus das Todesurteil für uns niedergelassene Fachärzte werden. Das kann aber nicht das Argument gegen die Öffnung der universitären Versorgung für die Patienten sein, denn unsere Existenz liegt weder im Interesse der Krankenkassen, noch im Interesse der Politik. Die Verzahnung zwischen niedergelassener Ärzteschaft und Universität ist an sich ja ein schönes Ziel in hochspeziellen Bereichen und bei seltenen Krankheiten. Es gibt aber ein viel durchschlagenderes Argument gegen den Wildwuchs universitärer Versorgung bei solchen Massenkrankheiten wie etwa Diabetes oder Mammakarzinom: die reale Personalsituation der Krankenhäuser . . . Woher sollen die Ärzte für die ambulante Versorgung kommen? Wenn die Klinikambulanz als Arbeitsplatz interessant werden soll für den Facharzt, so muss auch das Feudalherrendenken der Chefärzte abnehmen. In einem so hierarchisch strukturierten Bereich wie den deutschen Krankenhäusern ist kollegiales Arbeiten nicht per Gesetz einzuführen. Es wird also so kommen, wie wir es von anderen Ländern kennen: Assistenzärzte am Anfang der Weiterbildung betreuen – nach durchgearbeiteter Nacht – „die Poli“. Dort sind sie sich weitgehend selbst überlassen, weil der beaufsichtigende Oberarzt im OP beschäftigt ist. Ähnliche Strukturen kennen wir aus der Vergangenheit von den zu früheren Zeiten ermächtigten Chefärzten: Der jüngste Assistent „macht die Sprechstunde“. All diese Entwicklungen haben doch nur ein Ziel: Die Versorgung im Krankenhaus soll die fachärztliche Versorgung ersetzen, um Kosten zu dämpfen, wobei die schlechtere Qualität in Kauf genommen wird . . .
Karin Krämer, Am Schlosspark 1, 79189 Bad Krozingen
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