ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Sportmedizinische Aspekte des Golfsports: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Sportmedizinische Aspekte des Golfsports: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-377 / B-302 / C-285

Boldt, Folker

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LNSLNS Die Resonanz auf den Artikel unterstreicht, wie stark das Interesse an medizinischen Aspekten des Golfspielens in den letzten Jahren angestiegen ist. Der „Golferrücken“ findet hierbei besondere Aufmerksamkeit, da fast jeder zweite Golfer irgendwann Rückenbeschwerden äußert. Hierbei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass die Lebenszeitprävalenz von Rückenbeschwerden zirka 80 Prozent beträgt, wobei Bewegungsmangel mit entsprechenden muskulären Abschwächungen die Hauptursache sein dürfte.
Seit langem wird versucht, durch spezielle Techniken, das Risiko von Rückenbeschwerden zu vermindern. Eine Methode, die in den USA von zirka 100 Golflehrern (von insgesamt 22 000) unterrichtet wird, ist die angesprochene Natural-Golf-Methode (www.natural-golf. com). Sie basiert auf dem Schwung der Golflegende Moe Norman, dessen präzises Spiel unerreicht ist. Spezielle Merkmale dieser Methode sind ein spezieller Griff („Palmgriff“), bei dem der Schläger nicht mit den Fingern, sondern mehr mit der ganzen Hand gegriffen wird, wodurch kein Winkel zwischen Arm und Schläger entsteht – und ein breiterer Stand als üblich. Hierdurch soll die Torsion und damit die Belastung der Wirbelsäule vermindert werden. Eine andere „rückenschonende“ Schule ist die von Peter Crocker entwickelte Path-to-better-Golfmethode (www.path-to-better-golf.com), die sich in Deutschland zunehmend verbreitet. Hier geht man davon aus, dass nicht der Körper die Bewegung bestimmt, sondern alles aus den Händen startet. Auch hierdurch soll die Rumpfdrehung geringer sein.
Die Verminderung der Torsion und starken Hyperlordosierung im Finish sind also die vorrangigen Ziele bei der Schwungkorrektur. Oft genügen allerdings schon kleine Veränderungen. Ein Spieler mit einem zu „schwachen“ Griff versucht, die damit verbundene Slicegefahr durch eine verstärkte Rotation des Rumpfes zu kompensieren. Die Umstellung auf einen starken Griff wäre hier die simple „Therapie“.
Gut ausgebildete Golflehrer werden bei Rückenbeschwerden immer den ganzen Schwung analysieren unter Berücksichtigung der individuellen biomechanischen Möglichkeiten des Spielers. Das Unterrichtssystem des „biomechanischen Optimierens“ wird von der PGA Deutschland in der Ausbildung angewandt. Hierbei wird auch auf die Notwendigkeit eines ergänzenden spezifischen Kraft- und Dehnungstrainings hingewiesen. Nähere Informationen über Stefan Quirmbach, Präsident der PGA Deutschland: stefanquirmbach@golfhotelsemlin.de.
Letztendlich gibt es jedoch weltweit bisher keine Schwungphilosophie, die den tatsächlichen Nachweis erbracht hätte, mehr oder weniger rückenschonend zu sein. Dies wäre ein Feld zukünftiger sportwissenschaftlicher Forschung.
Dr. med. Folker Boldt
Landesinstitut für Sportmedizin
Clayallee 225 C
14195 Berlin

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