ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Praxis-Baufinanzierung: Einladende Zinssätze

VARIA: Wirtschaft

Praxis-Baufinanzierung: Einladende Zinssätze

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-379 / B-304 / C-287

Vetter, Michael

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ohnehin geplante Baufinanzierungen sollten nicht mehr lange hinausgezögert werden. Die Kreditgespräche wollen gut vorbereitet sein.


Ohne Banken geht es nicht. Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland etwa jede zweite Kreditmark für langfristige Baufinanzierungen aufgewendet, allerdings mit leicht fallender Tendenz. Wesentliche Ursache dieser Stagnation ist das allmählich wieder steigende Zinsniveau. Während 1999 Baukredite mit zehnjähriger Zinsbindung noch rund 5 Prozent Zinsen im Jahr kosteten, müssen Bauherren und Immobilienkäufer heute rund 6 Prozent pro anno zahlen. Aber auch dieses Zinsniveau ist nach wie vor recht günstig.
Auch Ärzte sollten bei ohnehin geplanten Baufinanzierungen nicht mehr lange zögern, sondern bald zugreifen. Wer geschickt verhandelt und eine entsprechende Bonität mitbringt, kann auch zu effektiven Zinssätzen von knapp unter 6 Prozent pro Jahr abschließen. Bei fünfjähriger Zinsbindung werden derzeit rund 5,5 Prozent Zinsen pro anno verlangt.
Kritische Banken
Vor einer Unterschrift auf dem Kreditvertrag sollte der Arzt allerdings seine „Hausaufgaben“ gemacht haben. So muss er wissen, dass Praxis-Baufinanzierungen von den Banken meist noch kritischer gesehen werden als Baukredite von Privatpersonen. Das liegt vor allem an der häufig sehr schwierigen Wiederverwertung einer Arztpraxis. Sollte es im Einzelfall – beispielsweise durch Liquiditätsprobleme des Schuldners – zu einem Zwangsverkauf der Immobilie kommen, müsste die Bank eventuell hohe Abschläge akzeptieren. Denn: Der Markt für Praxis- und Büroräume ist derzeit eher unbefriedigend. Darüber hinaus lässt sich die Honorarentwicklung von niedergelassenen Ärzten über den sehr langen Zeitraum einer Immobilienfinanzierung von bis zu rund dreißig Jahren kaum zuverlässig voraussagen. Letzteres ist aus Sicht der Bank ein wichtiger Risikofaktor bei der Kreditvergabe.
Ärzte sollten gut vorbereitet in die Kreditgespräche mit ihrer Bank gehen:
- So ist es wichtig, auf die Gesamtzinsbelastung zu achten. Da Banken aus Sicherheitsgründen bei Praxisimmobilienkrediten in der Regel lediglich bis zu sechzig Prozent der Gesamtkosten finanzieren, ist eine Zusatzfinanzierung meist erforderlich. Benötigt man beispielsweise einen Kredit bis zu achtzig Prozent der Bau- oder Kaufkosten, muss für die Differenz von zwanzig Prozent mit einem Zinsaufschlag von bis zu 0,25 Prozent pro Jahr gerechnet werden.
- Bei normaler Kreditwürdigkeit sollte der Arzt lediglich die obligatorische Grundschuld als Kreditsicherheit akzeptieren. Wenn die Bank darüber hinaus private Sicherheiten wie zum Beispiel Bürgschaften verlangt, ist es angebracht, hartnäckig zu verhandeln – jede Zusatzsicherheit sollte zu angemessenen Zinsvorteilen führen.
- Entscheidend sind auch Detail-Formulierungen im Kreditvertrag. So sollte der Kreditnehmer darauf achten, eine Vereinbarung durchzusetzen, die jährlich die kostenlose Möglichkeit außerplanmäßiger Tilgungen erlaubt.
- Der Arzt sollte zudem eine „Mischfinanzierung“ mit unterschiedlichen Zinsbindungen ins Kalkül ziehen. Banken bieten Zinsbindungszeiträume meist zwischen einem und dreißig Jahren mit unterschiedlichen Zinssätzen an. Dabei sollte man sich nicht nur auf das Angebot der Hausbank verlassen.
- Öffentliche Fördermittel können die Gesamtfinanzierung deutlich verbilligen. Daher ist angebracht, sich auch hier ausführlich zu erkundigen.
- Die Einzelheiten der Gesamtfinanzierung sollten in jedem Fall vom Steuerberater begleitet werden. Michael Vetter
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema