ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Auskunftspflicht: Erstklassige Sicherheiten sollten ausreichen

VARIA: Wirtschaft

Auskunftspflicht: Erstklassige Sicherheiten sollten ausreichen

MV

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dr. E. aus Dresden wurde von seiner Bank aufgefordert, neben der aktuellen Einnahme-Überschuss-Rechnung eine detaillierte Aufstellung seines Vermögens anzufertigen. Die Bank erklärte, dass sie aufgrund des Kreditwesengesetzes (KWG, § 18) dazu verpflichtet sei, sich über die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Kreditkunden ein genaues Bild zu verschaffen.
Darüber hinaus sollte E. seinen Steuerberater bevollmächtigen, der Bank auf Verlangen sämtliche Auskünfte über die finanzielle Situation seines Mandanten zu erteilen. Außerdem sollte E. die Bank ermächtigen, Auskünfte bei anderen Banken, beim Grundbuchamt sowie bei sonstigen öffentlichen Registern einzuholen, wenn das Geldinstitut dies für erforderlich hält.
Diese umfangreichen Forderungen will E. auf keinen Fall akzeptieren, schon gar nicht für die in Anspruch genommenen Kredite über rund
205 000 €. Sie seien ausnahmslos durch Grundschulden auf sein Praxisgebäude zugunsten der Bank abgesichert. Der Verweis der Bank auf § 18 KWG ist nur teilweise richtig. Die Bank ist zwar verpflichtet, sich über die wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Kreditnehmer zu informieren. Diese Verpflichtung besteht allerdings nur ab einer Kredithöhe von
255 645,94 €. Darüber hinaus kann selbst von einer Offenlegung abgesehen werden, wenn ein Kreditnehmer der Bank erstklassige Sicherheiten zur Verfügung stellt. Dazu zählen beispielsweise, wie bei E., werthaltige Grundschulden. Bei einem Verkehrswert der Praxisimmobilie von etwa 306 775,13 € und Grundschulden von
204 516,75 € ist bei E. das Kriterium der Werthaltigkeit eindeutig erfüllt.
Die weiter gehenden Forderungen der Bank sind überflüssig: E. sollte weder den Steuerberater noch die Bank in umfangreicher Form ermächtigen. Wenn das Kreditinstitut an detaillierten Informationen interessiert ist, sollte es sich an E. wenden. Dieser kann dann entscheiden, ob und in welchem Umfang er Informationen erteilt. Unbestritten bleibt, dass sich seine Bank einen Überblick über die Entwicklung praxisrelevanter Daten verschaffen muss. Das ergibt sich schon aus ihrer Sorgfaltspflicht als Kreditgeber. Diesen Überblick kann E. dadurch verschaffen, dass er der Bank regelmäßig sowohl Einnahmen-Überschuss-Rechnungen als auch Einkommensteuerbescheide zur Verfügung stellt. MV
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema