ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Schleifendiuretika: Es bestehen klinisch relevante Unterschiede

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Schleifendiuretika: Es bestehen klinisch relevante Unterschiede

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Die Therapie der chronischen Herzinsuffizienz richtet sich heute vor allem gegen die neurohumoralen Kompensationsmechanismen. Im Vordergrund stehen eine Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteronsystems und die sympathoadrenerge Aktivierung. An diesen Systemen greifen ACE-Hemmer beziehungsweise Betarezeptorenblocker an. Beide verbessern die Symptomatik und verlängern das Leben von Patienten mit Herzinsuffizienz. Aber ohne Diuretika können ACE-Hemmer wiederholte Dekompensationen kaum verhindern.
Bioverfügbarkeit entscheidend für die Wirkung
Besonders stark wirken Schleifendiuretika. Sie sind auch bei eingeschränkter Nierenfunktion effektiv und weisen eine lineare Dosis-Wirkungs-Beziehung auf. Dies bedeutet bei einigen Substanzen nicht, dass die Dosis immer den Effekt bestimmt. Denn dazwischen steht die Bioverfügbarkeit. Im Fall von Furosemid variiert diese inter- und intraindividuell zwischen zehn und 90 Prozent, wie Dr. Robert Schwinger (Köln) bei einem Presseworkshop der Firmen Berlin Chemie und Hoffmann-La Roche in München erläuterte. Für Torasemid ist eine stabile Bioverfügbarkeit zwischen 80 und 90 Prozent nachgewiesen, die den Effekt der Therapie viel besser kalkulierbar macht.
Torasemid kann aufgrund seiner langen Wirkdauer von zwölf Stunden einmal täglich gegeben werden, wohingegen Furosemid dreimal täglich genommen werden muss. Unter einer Therapie mit Torasemid sinkt der Kalium- und Magnesiumspiegel nicht ab, wie dies bei Furosemid der Fall ist.
Dieser kaliumsparende Effekt ist möglicherweise die Ursache dafür, dass Torasemid etwas beweisen konnte, was noch keinem Diuretikum vorher gelungen ist: Eine signifikante Abnahme der Mortalität, insbesondere des plötzlichen Herztodes von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz. Dieses Ergebnis brachte die offene prospektive TORIC-Studie, in der 1 305 Patienten mit einer Herzinsuffizienz NYHA II bis III im Rahmen ihrer Standardtherapie entweder Torasemid (durchschnittlich 10 mg) oder Furosemid (durchschnittlich 40 mg) erhielten.
Dass Torasemid klinisch erfolgreicher ist als Furosemid, geht auch aus einer Studie hervor, in der Patienten von einer anderen diuretischen Therapie auf Torasemid umgestellt wurden. Die Situation besserte sich bei allen Patienten – aber besonders drastisch bei den Patienten, die vorher Furosemid erhalten hatten. Etwa drei Viertel der Patienten konnten in der NYHA-Klassifizierung zurückgestuft werden. In den sechs Monaten unter Furosemid war bei 16,7 Prozent der Patienten eine Krankenhausaufnahme erforderlich, in den anschließenden sechs Monaten unter Torasemid nur bei 2,2 Prozent.
Auch Patienten mit Niereninsuffizienz können mit Torasemid sicherer behandelt werden als mit Furosemid, erklärte Prof. Teut Risler (Tübingen), denn Torasemid wird hepatisch ausgeschieden. Es besteht also auch bei schwerer Niereninsuffizienz keine Kumulationsgefahr, die zum Beispiel mit einem Risiko für ototoxische Effekte einhergeht – insbesondere, wenn der Patient gleichzeitig mit Aminoglykosiden behandelt wird. Dr. med. Angelika Bischoff
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