ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Hirnleistungsstörungen im Alter: Kognitives Training und „Brainfood“

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Hirnleistungsstörungen im Alter: Kognitives Training und „Brainfood“

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-383 / B-307 / C-299

Bühring, Petra

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LNSLNS Rund 25 bis 50 Prozent der über 65-Jährigen klagen über Störungen der Gedächtnisfunktionen. Wie sich kognitive Funktionen im Alter ohne Krankheitseinflüsse entwickeln und wie diese unbeeinträchtigt bleiben können, untersuchte Priv.-Doz. Dr. Ralf Ihl von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Düsseldorf. Die Erkenntnisse präsentierte er bei dem Satellitensymposium „Geistig gesund im Alter“, veranstaltet von Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin.
Mit dem Alter nehme die Komplexität kognitiver Prozesse zu – das heißt, ältere Menschen nutzten mehr Bereiche ihres Gehirns, erklärte Ihl. Diese Zunahme lasse sich durch das EEG und die Positronen-Emissions-Tomographie nachweisen. Bei Demenz- und Alzheimer-Patienten dagegen würden sichtbar weniger Hirnareale genutzt.
Das kognitive Leistungsniveau ist großen individuellen Schwankungen unterworfen: Es ist abhängig vom Bildungsstand, Hobbys, dem Einfluss von Nikotin und Alkohol sowie Erkrankungen und Traumen. Eine geringe Nutzung des Gehirns führt zu geringerer Leistungsfähigkeit – die kognitiven Fähigkeiten müssen aktiviert werden. Um Stress und Überforderung bei alten Menschen zu vermeiden, seien als Gehirn-Training alltagsnahe Aufgaben am besten geeignet.
Bei der medikamentösen Unterstützung von Gedächtnisstörungen sollten nur Mittel eingesetzt werden, deren Nebenwirkungen sehr gering sind. Hierzu gehöre der aus Ginkgo biloba gewonnene Extrakt EGb 761 (Tebonin®), dessen positiver Effekt auf die kognitiven Fähigkeiten in Studien bestätigt wurde. Der Neurobiologe Prof. Ernst Pöppel (Institut für Medizinische Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München) wies ebenfalls auf den positiven Effekt des Ginkgo-Extrakts auf die mentalen Funktionen und Fähigkeiten bei gesunden Probanden hin. Verbessert wurden die emotionale Bewertung von Informationen, Bewegungskoordination sowie Genauigkeit und Geschwindigkeit von Bewegungen. Der Wirkstoff steigerte das subjektiv wahrgenommene Gesundheitsempfinden und die allgemeine Aufmerksamkeit.
Demenz-Check ab dem 40. Lebensjahr anbieten
Werde eine Hirnleistungsstörung oder ein Hirnleiden, wie beispielsweise die Demenz, nicht frühzeitig erkannt, sei der Betroffene durch die Anforderungen in Beruf oder Familie möglicherweise überfordert, sagte Dr. med. Dipl.-Psych. Rainer Wiegand vom Zentrum für Hirnleistungsdiagnostik in Hochheim. Dies könnte zur Entwicklung einer psychischen Erkrankung führen. Durch testpsychologische Untersuchungen sei es möglich, zwischen Befind-lichkeitsstörungen und messbaren Defiziten zu unterscheiden.
Zur Behandlung werden in der Nervenarztpraxis, neben dem „Brainfood“ Ginkgo biloba, kognitive Psychotherapie, Entspannungsverfahren oder computergestützte Programme zum Gedächtnistraining eingesetzt. Wiegand plädierte dafür, einen „Demenz-Check“ ab dem 40. Lebensjahr anzubieten. Petra Bühring
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