ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2002Gebührenordnung für Ärzte: Zielleistung kontra Analogbewertung

VARIA: GOÄ-Ratgeber

Gebührenordnung für Ärzte: Zielleistung kontra Analogbewertung

Dtsch Arztebl 2002; 99(6): A-384 / B-308 / C-288

Klakow-Franck, Regina

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LNSLNS Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) kaum mit dem medizinischen Fortschritt würde Schritt halten können, hat der Verordnungsgeber in der GOÄ die Möglichkeit einer analogen Bewertung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden verankert. Dadurch sollte eine zeitnahe Ergänzung des GOÄ-Leistungsverzeichnisses gewährleistet werden.
In der vertragsärztlichen Versorgung (GKV) werden neue ambulante Leistungen nach Beschluss durch den Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen in den EBM aufgenommen, wie kürzlich die Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration bei vaskulärer Netzhauterkrankung durch PDT mit Verteporfin. Eine Verpflichtung zur einvernehmlichen Bewertung einer neuen ärztlichen Leistung gibt es im Privatliquidationsbereich nicht.
Verhandlungen zwischen der Bundes­ärzte­kammer, den beteiligten Bundesministerien und dem Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung e.V. scheitern oftmals an den Bedenken der Kostenträger, ob durch die Erweiterung des Leistungsverzeichnisses ein Kostenschub ausgelöst werden könnte. Die Beschlüsse der Bundes­ärzte­kammer zu Analogbewertungen neuer ärztlicher Leistungen verlieren dadurch jedoch nicht an Gültigkeit, die Furcht vor erhöhten Kosten sollte besser durch eine Folgekostenanalyse ersetzt werden.
Ein probates Mittel, die Notwendigkeit der überfälligen Erweiterung des Leistungsverzeichnisses auszuhebeln, ist die Beschwörung des „Zielleistungsprinzips“ nach § 4 Abs. 2 a GOÄ. Lässt sich eine Leistung als Bestandteil oder Variante einer bereits in der GOÄ enthaltenen Leistungsnummer darstellen, entfällt der Anspruch auf eine eigenständige Analogbewertung. Nach § 6 Abs. 2 GOÄ können nämlich nur selbstständige Leistungen, die im Verzeichnis fehlen, analog berechnet werden.
Nach diesem Prinzip wird beispielsweise in „PKV Publik“ (Herausgeber: PKV-Verband e.V., Köln) die photodynamische Therapie (PDT) mit Verteporfin (entsprechend der EBM-Nr. 1250) der zwanzig Jahre alten GOÄ-Gebührenposition Nr. 1366 originär zugeordnet, unter Berufung darauf, dass die Legende zur Nr. 1 366 einen Hinweis auf vaskuläre Netzhauterkrankungen enthält, die unter anderem auch die Indikation für eine photodynamische Therapie begründen. Entsprechend wird die Anwendung des photodynamischen Behandlungsverfahrens bei Krebserkrankungen der Haut mit der PUVA-Behandlung der Psoriasis nach Nr. 565 gleichgesetzt, weil beide Methoden auf die kombinierte Anwendung von Licht und Chemie zurückgeführt werden können.
Solche Auslegungsbeispiele sind inakzeptabel. Das Zielleistungsprinzip soll regulieren, jedoch nicht blockieren. Die Bundes­ärzte­kammer hat beschlossen, die dermatologische PDT analog nach Nr. 566 GOÄ (für die Lichtbestrahlung des mit dem Photosensitizer vorbehandelten Hautbezirks) plus Nr. 5 800 zu bewerten; bei Behandlung größerer Hautareale sind daneben Zuschläge analog nach Nr. 5 802 bis 5 803 berechnungsfähig.
Dr. med. Regina Klakow-Franck
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