ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Großbritannien: „Kardio-Hitparade“

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Großbritannien: „Kardio-Hitparade“

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Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alan Milburn. Foto: dpa
Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alan Milburn.
Foto: dpa
Erfolgsraten bei Herzoperationen sollen publiziert werden.

Britische Kardiologen beobachten mit Skepsis die Einführung von umstrittenen „Kardio-Hitparaden“ im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS). Von April 2004 an werden Kardiologie-Pa-
tienten in Großbritannien vor ihrer Operation die Möglichkeit haben, die Erfolgsraten ihres Kardiochirurgen zu checken und sich gegebenenfalls für einen anderen Spezialisten zu entscheiden. Wie Ge­sund­heits­mi­nis­ter Alan Milburn jetzt ankündigte, sollen die Mortalitätsraten aller Kardiologiestationen des NHS von April 2004 an regelmäßig publiziert werden. Mehr noch: Jeder für den NHS tätige Kardiologe wird es sich gefallen lassen müssen, seine persönlichen Erfolgsraten bei Operationen publiziert zu sehen. Als Messlatte soll laut Milburn vor allem die Mortalität binnen der ersten Tage nach der Operation dienen. Das Londoner Ge­sund­heits­mi­nis­terium begründet den Schritt damit, „mehr Transparenz“ in die Kardiologie bringen zu wollen. Sollte das gelingen, so würden auch andere Fachbereiche wie Onkologie und Pädiatrie folgen, so der Ge­sund­heits­mi­nis­ter. Britische Ärzte- und Facharztverbände stehen der Initiative eher kritisch gegenüber. Sie befürchten, die Zahlen könnten leicht fehlinterpretiert werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Krankenhäuser und einzelne Kardiochirurgen schwierige Fälle von vornherein ablehnten, um nicht ihre Erfolgsstatistik zu schwärzen. „Risikopatienten werden es deutlich schwerer haben, einen willigen Chirurgen zu finden“, prophezeit Bruce Keogh von der Society of Cardiothoracic Surgeons.
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