ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Neue Bundesländer: Hausärztliche Versorgung vor großen Problemen

POLITIK

Neue Bundesländer: Hausärztliche Versorgung vor großen Problemen

Dtsch Arztebl 2002; 99(7): A-402 / B-339 / C-316

Maus, Josef

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LNSLNS Die Allgemeinärzte fürchten um ihren Nachwuchs.
Vor allem in den neuen Bundesländern ist fraglich, ob es
in Zukunft noch genügend Hausärzte geben wird.

Der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) sorgt sich um den hausärztlichen Nachwuchs. Trotz des Initiativprogramms zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin dürften bundesweit in einigen Jahren nicht genug Allgemeinärzte niedergelassen sein, um die hausärztliche Versorgung sicherstellen zu können. Das Gesundheitsreformgesetz sieht vor, dass ab dem Jahre 2006 nur noch Allgemeinärzte für diesen Betreuungssektor zuständig sein sollen.
Vor allem in den neuen Bundesländern ist die Altersstruktur der dort tätigen Allgemeinärzte und Kinderärzte ungünstig, doch der Nachwuchs bleibt aus. Bei einem Treffen mit den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen der fünf östlichen Bundesländer und Vertretern des sächsischen Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, der medizinischen Fakultät der TU Dresden und der sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer forderte der BDA gemeinsame Anstrengungen, um den drohenden Ärztemangel noch abzuwenden.
Nach übereinstimmender Auffassung der Gesprächsrunde sei ein vielfältiges Ursachengefüge für die Besorgnis erregende Arztzahlentwicklung verantwortlich, erklärte der stellvertretende BDA-Vorsitzende Dr. med. Diethard Sturm. Dazu zählen:
- sinkende Studentenzahlen durch die Diskreditierung des Arztberufs;
- mangelhafte Akzeptanz und Repräsentanz an den Universitäten und die unzureichende Darstellung der Allgemeinmedizin in den entsprechenden Lehrveranstaltungen;
- Engpässe bei der Weiterbildung der Allgemeinmediziner, vor allem an den Krankenhäusern und im Fachbereich Pädiatrie;
- Niederlassungsängste und betriebswirtschaftliche Defizite der jungen Ärzte;
- Abwanderung von Assistenz- und Fachärzten wegen besserer Verdienstmöglichkeiten in westliche Bundesländer oder das europäische Ausland;
- Frustration und Überlastung der niedergelassenen Hausärzte durch unbezahlte Bereitschaftsdienste und bürokratische Überfrachtung der vertragsärztlichen Tätigkeit.
Lehrveranstaltungen auch in den Arztpraxen
Die Allgemeinärzte seien bereit, in Lehrpraxen und Lehrveranstaltungen, durch Angebote von Famulaturen und Patenschaften Verantwortung für die Nachwuchsförderung zu übernehmen. Sturm appellierte an die Ministerien und Universitäten, die Gewichtung zwischen der bisher dominierenden Forschungsorientierung zugunsten des mehr „problemorientierten Lernens“ zu verschieben. So dürfe die Lehre nicht nur am Krankenbett stattfinden, sondern müsse auch in der Praxis erfolgen.
Überdies hält der BDA Änderungen bei der Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für notwendig. Zurzeit sind die nach dem Initiativprogramm geförderten Stellen nicht nach dem regionalen Bedarf, sondern nach der Größe der Kassenärztlichen Vereinigung auf die Länder aufgeschlüsselt. Der notwendige rasche Zuwachs bei Weiterbildungsassistenten in den neuen Bundesländern wäre nach dieser Systematik nicht zu finanzieren. Josef Maus
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