ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Pflegeversicherung: Einsamer Rufer in der Wüste?

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Pflegeversicherung: Einsamer Rufer in der Wüste?

Fuchs, Udo

Zur Behinderung hausärztlicher Betreuung Schwerstkranker durch die Pflegeversicherung:
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LNSLNS In zunehmendem Maß ist die Behinderung hausärztlicher Versorgung Schwerstkranker durch Pflegekassen und andere Organisationen festzustellen, welche die Betreuung dieser Patienten erschweren und zum Teil unmöglich machen. Durch die Begrenzung hausärztlicher Einflussnahme sowie den ausufernden Bürokratismus der Pflegekassen wird eine Heimeinweisung beziehungsweise stationäre Einweisung von Pflegefällen unausweichlich, obwohl diese bis dahin zu Hause bestens versorgt waren. Anhand von drei Beispielen will ich dies erläutern:
- Einer sterbenden Patientin muss der Wunsch, im Hause die letzten Tage verbringen zu können, verweigert werden, da die Pflegekasse die Übernahme jeglicher häuslicher Krankenpflege ablehnt, und dies trotz der Androhung einer stationären Einweisung durch mich. Zwei Tage später stirbt die Patientin – nicht wunschgemäß – im Krankenhaus.
- Einer schwerstkranken, dementen Patientin der Pflegestufe drei werden plötzlich die notwendigen Blasenspülungen mit dem Hinweis gestrichen, die adäquate Therapie bestehe im Anhalten der Patientin, mehr zu trinken. Ohne künstliche Ernährung durch operative Legung eines PEG ist dies aber nicht zu machen. Da ist die seit über einem Jahr komplikationslos durchgeführte Blasenspülung doch die bessere Alternative.
- Um einem leberkranken Patienten im Finalstadium den ständigen Transport und Kranken­haus­auf­enthalt zu ersparen, habe ich der Bitte des Stationsarztes und der Angehörigen entsprochen, die nicht risikoarme Ascitespunktion zu Hause durchzuführen. Für einen Arbeitslohn von circa 80 DM habe ich den Patienten 13-mal zu Hause punktiert und dabei dem Patienten 13 Tage Kranken­haus­auf­enthalt sowie 26 Krankentransporte erspart. Nach drei Jahren teilt mir nun die KVH mit, dass die von mir in Ansatz gebrachte Lokalanästhesie für die Punktion nicht erstattet würde unter dem Motto: Man kann auch einen Zahn ohne Betäubung ziehen.
Da ich mir allmählich wie ein einsamer Rufer in der Wüste vorkomme, würde mich schon interessieren, ob einigen Kollegen nicht auch Derartiges widerfahren ist.
Dr. med. Udo Fuchs, Steenwisch 105, 22527 Hamburg
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