ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Vergangenheit: Besser - Über Einsatz an allen Fronten berichten

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Vergangenheit: Besser - Über Einsatz an allen Fronten berichten

Dtsch Arztebl 2002; 99(7): A-418 / B-339 / C-317

Kober, Peter

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LNSLNS Mit einer gewissen Regelmäßigkeit erscheinen im DÄ Artikel, die sich mit dem Verhalten der deutschen Ärzte während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen. Häufig waren diese Artikel interessant und gaben gewisse Einblicke in das Verhalten zum Mindesten eines Teiles der deutschen Ärzteschaft in jener von uns so schwer zu beurteilenden Zeit. So auch dieser Artikel. Ich (Jahrgang 1934) vermisse aber eine Aufgliederung etwa in der Altersstruktur der Ärzte hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP oder einen Versuch, ihre Beweggründe für den Eintritt in diese Partei zu erfassen. Wie viel politische Naivität, wie viel Begeisterung vielleicht für einen angeblichen Aufbruch aus den parteipolitischen Niederungen der Weimarer Zeit, wie viel echter Glaube daran, bei einer großen Sache nicht abseits stehen zu können, mag da neben Karrierestreben und Opportunismus eine Rolle gespielt haben?
Ob das Ergebnis der Studie, in der ein recht hoher Prozentsatz von rheinischen Ärzten als Mitglieder oder Anwärter der NSDAP ausgemacht werden, also bei näherem Hinsehen wirklich so „erschreckend“ ist, muss doch etwas fraglich erscheinen, denn mit den in den später zutage tretenden Endzielen, die viele in den ersten, wirtschaftlich ja recht erfolgreichen Jahren nicht wahrnahmen oder nicht wahrnehmen wollten, haben sich ja dann durchaus nicht alle in der NSDAP befindlichen Ärzte identifiziert.
Eine gewisse Häme angesichts des hohen Prozentsatzes katholischer Mitglieder der „Partei“ im „katholischen“ Rheinland kann der Autor des Artikels sich dabei auch nicht verkneifen (ich bin evangelisch!). Aber wann sehen wir im DÄ einmal eine Artikelfolge über den Einsatz deutscher Ärzte an allen Fronten des Krieges? Natürlich in erster Linie für die deutschen und verbündeten Soldaten, aber sehr oft auch für verwundete Feinde oder die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten. Da haben die Väter, Großväter und Onkel der heutigen Ärzte es oft an Mut und Aufopferung unter schwierigsten Verhältnissen wahrlich nicht fehlen lassen ganz nahe bei den im Kampf befindlichen Soldaten oder in Feldlazaretten, wo bis zur Erschöpfung versucht wurde, Leben zu retten oder wenigstens Schmerzen zu lindern. So aber auch im Bombenhagel in den Krankenhäusern der Städte gegenüber verbrannten und zerfetzten Frauen, Kindern und anderen Zivilisten, oft, wie ich von meinem Vater aus den Kölner Kliniken damals weiß, auch gegenüber Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen.
Vielleicht wäre eine Statistik der gefallenen und schwer verwundeten Ärzte der Kriegszeit auch einmal von Interesse, oder eine Aufstellung der Zahl der Orden, die Ärzten für ihren Opfermut und Einsatz verliehen wurden, womit etwas ausgesagt würde über sie, denen viele ihr Leben oder eine Linderung der Folgen ihrer Verwundungen verdanken. Oder sollte das nicht lohnen, weil sie ja auf der falschen Seite kämpften?
Dr. med. Peter Kober, Zamenhof-Weg 4, 58332 Schwelm
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