ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Vergangenheit: Beteiligte befragen
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LNSLNS Man fragt sich ernstlich, was mit dem Wissen durch neuere Forschung gewonnen ist, dass die „erstaunliche und erschreckende“ Zahl von 74 % von 6 000 rheinischen Ärzten 1944 vor Kriegsende Mitglied der NSDAP oder anderer Parteiorganisationen waren.
„Wohlgemerkt: einen Zwang hierzu gab es nicht“, ist eine ungestützte gehässige Behauptung. Das Gegenteil trifft zu. Von 1935/36 an wurde auf die Ärzte Druck ausgeübt, sich an freien Tagen wie Wochenenden für die Partei oder ihre Organisationen zur Verfügung zu stellen, anderenfalls drohte die Einschränkung von Freiheiten wie dem Entzug der Rechte zur Privatliquidation. Diesem örtlich und regional unterschiedlich starken Druck mussten sich viele Praxisärzte aus familiären Gründen durch passives Einordnen fügen, ohne sich aktiv für die Partei zu verwenden. Dass sie zu diesem Zeitpunkt nach der „Ausschaltung der jüdischen Kollegen“ der Partei mehr zugetan waren als 1933, ist eine andere kühne Behauptung, denn sich aus Dankbarkeit dafür mit der Partei einzulassen, konnte den wenigsten Ärzten in den Sinn kommen; sie waren in ihren Praxen bereits mit anderen Problemen belastet, wie jeder bezeugen kann, der die damalige Zeit erlebt hat. Ehe weiter polemisiert wird, wie verblendet deutsche Ärzte insbesondere im letzten Kriegsjahr gewesen seien, ist es dringend indiziert, die letzten Beteiligten aus der damaligen Zeit zur Begründung einer Parteimitgliedschaft zu befragen, um dreiste Verdächtigungen und Anschuldigungen zu widerlegen.
Dr. med. Wolf H. Weihe, Ganghoferstraße 6, 83098 Brannenburg
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