ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Sterbebegleitung: Die Würde erhalten
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LNSLNS . . . Gerade für Menschen, die in Bewusstlosigkeit leben, gilt, dass sich dieser Zustand vom Gesunden her nur schwer vorstellen lässt – sozusagen per definitonem. Deshalb haben hier auch Patientenverfügungen nur einen sehr begrenzten Wert als Verhaltensrichtschnur für uns Ärzte. Dass in der Außenansicht vielen Menschen das Leben in der Bewusstlosigkeit als leidvoll erscheint, ist verständlich. Es reicht aber wohl kaum hin, die Annahme zu rechtfertigen, dies sei auch aus der Innenschau des Betroffenen der Fall. Was wir im Umgang mit Bewusstlosen an Erfahrungen machen, spricht doch eher dafür, dass sie vor allem das benötigen, was wir im Wachzustand in Krisenzeiten auch brauchen: nämlich menschliche Zuwendung und Nähe. Die Diskussion um die Einstellung der Nahrungszufuhr über eine PEG-Sonde verstellt eher die Notwendigkeit für solche Nähe. Menschliche Würde besteht ja nicht an sich, sondern sie entwickelt sich stets aus der Beziehung zu Dritten. Einem chronisch kranken, bewusstlosen Menschen die Würde zu erhalten lässt sich wohl kaum an der Frage der Nahrungszufuhr festmachen. Sie entscheidet sich vielmehr an der Art der respektvollen Zuwendung, die wir ihm geben. Ein Mensch, der in seiner Bewusstlosigkeit einfach liegen gelassen wird, verliert seine Würde – mit und ohne Nahrungszufuhr.
Sich diesen Fragen gemeinsam mit dem bewusstlosen Menschen zu nähern (dies erscheint uns durchaus möglich), stellt eine enorme Herausforderung für alle Betroffenen dar. Es gibt aber keinen Weg, diese Herausforderung zu umgehen. Hier helfen auch keine „höchstrichterlichen Entscheidungen“. Wir bleiben als Ärzte stets auch in der eigenen Verantwortung.
Prof. Dr. med. Christoph Student, Hospiz Stuttgart, Stafflenbergstraße 22, 70184 Stuttgart
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