ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Pharmakotherapie: Wieder allein gelassen

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Pharmakotherapie: Wieder allein gelassen

Dtsch Arztebl 2002; 99(7): A-419 / B-340 / C-318

Brech, W.

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LNSLNS Es ist außerordentlich verdienstvoll, dass das DÄ wichtige Ergebnisse der internationalen medizinischen Forschung in kurzer und verständlicher Form für seine Leser zusammenfasst. So wurde . . . auf die bahnbrechenden Ergebnisse der RENAL-Studie und der IDNT-Studie hingewiesen. Darin konnte eindeutig gezeigt werden, dass durch die AT1- Rezeptorantagonisten die Progression einer diabetischen Nephropathie signifikant verlangsamt wurde. Ich vermisse in diesem „Medizinreport“ jedoch ein kritisches Wort zu diesen Studien. Um die Bedeutung der AT1-Rezeptorantagonisten und ihren Platz in der ärztlichen Behandlung darzustellen, hätten diese Studien jedoch mit ACE-Hemmern und nicht mit Kalziumantagonisten oder anderen Hypertensiva in der Kontrollgruppe verglichen werden müssen. Dann wüssten wir nämlich, ob durch die AT1-Rezeptorantagonisten gegenüber ACE-Hemmern eine zusätzliche Nephroprotektion zu erzielen ist oder ob die Nephroprotektion durch alle das Reninsystem blockierenden Substanzen hervorgerufen wird. Die Studien geben uns keine Auskunft darüber, ob den AT1-Rezeptoren gegenüber ACE-Hemmern eine Spezialindikation zukommt.
Die Untersuchung gegenüber ACE-Hemmern ist natürlich für die Pharmaindustrie uninteressant, da diese längst den Patentschutz verloren haben und gegenüber den AT1-Rezeptorantagonisten in die Niedrigpreiskategorie der Pharmaka eingeordnet werden können. So verdienstvoll die genannten Studien also sind, bleiben die Ärzte in ihrem Bestreben um eine rationale Pharmakotherapie, das heißt eine Therapie, die sowohl richtig als auch wirtschaftlich ist, wiederum allein gelassen und
sehen sich den Vorwürfen der Verschwendungssucht vonseiten der Krankenkassen ausgesetzt, wenn sie AT1-Rezeptorantagonisten gegenüber ACE-Hemmern vorziehen.
Prof. Dr. med. W. Brech, Erster Vorsitzender KV Südwürttemberg, Haldenhaustraße 11, 72770 Reutlingen
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