ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2002Leichenschau: Thema für den Deutschen Ärztetag

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Leichenschau: Thema für den Deutschen Ärztetag

Dtsch Arztebl 2002; 99(7): A-420 / B-340 / C-318

Jentsch, Eckhard

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LNSLNS Frau Dr. Klakow-Franck scheint nicht zu der Gruppe von Ärzten und Ärztinnen zu gehören, die Leichenschauen tatsächlich durchführt. Mit ihrer Vermutung, dass schätzungsweise 40 % der aufgrund der äußeren Leichenschau festgestellten Todesursachen nicht zutreffen, liegt sie wohl weit daneben. Die tatsächliche Zahl dürfte wohl über 80 % liegen.
Denn, da wir Ärzte – im Normalfall – nicht hellsehen können, kann ein Arzt, der zu einer ihm unbekannten Leiche zur Feststellung des Todes und Dokumentation der Todesursache gerufen wird, wohl kaum diese Aufgabe auch nur mit einer annähernden Wahrscheinlichkeit ausschließlich mithilfe der Inspektion und Palpation lösen. Es ist unverständlich, dass die Verantwortlichen auch die neuen Todesbescheinigungen so formuliert haben, dass der leichenschauende Arzt – indem er eine Todesursache attestiert, die er gar nicht kennen kann – kriminell wird oder bei jeder Leiche die Polizei einschalten muss. Den meisten Kolleginnen und Kollegen scheint es aber gar nicht bewusst zu sein, dass die Todesbescheinigung nicht nur ein Dokument von erheblicher forensischer Bedeutung ist, sondern dass sie auch die Todesursachenstatistik begründet, was bei so viel Unsicherheit bei der Feststellung der tatsächlichen Todesursache die ganze Todesursachenstatistik ad absurdum führt.
Diese Thematik gehört auf die Tagesordnung des Deutschen Ärztetages. Ich selbst kann besser damit leben, unnötig die Polizei eingeschaltet zu haben, weil ich einen natürlichen Tod bei einer mir unbekannten Leiche nicht feststellen kann, als einen solchen zu bescheinigen, obwohl ich zu dieser Feststellung gar nicht in der Lage bin.
Dr. Eckhard Jentsch, An den Sperrwiesen 9, 91781 Weißenburg
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