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Notaufnahme

Dtsch Arztebl 2002; 99(7): A-451 / B-363 / C-341

Huyler, Frank

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Arztgeschichten
Alltägliche Begebenheiten
Frank Huyler: Notaufnahme. Geschichten zwischen Leben und Tod. Verlag C.H. Beck, München, 2001, 174 Seiten, gebunden, 14,90 A


Wer Bücher nach dem Titel wählt, könnte von Frank Huylers Erzählungen enttäuscht sein. Denn Halbgötter in Weiß und reißerische Geschichten sucht man hier vergeblich. Der Autor schildert vielmehr ganz alltägliche Begebenheiten an einer amerikanischen



Klinik. Dabei gelingt es ihm ausgezeichnet, die Schicksale seiner Patienten mit seinen eigenen Schwierigkeiten in einem oft belastenden Beruf zu verknüpfen. Huyler schildert sich selbst ganz menschlich als einen Arzt mit Stärken und Schwächen. Ein positives Bild von seinem Berufsethos vermittelt er zum Beispiel in der Geschichte „Meinungsverschiedenheiten“. Tag und Nacht kämpft er scheinbar aussichtslos um das Leben des 28-jährigen Cowboys Mr. Johnson. Sogar als ihm sein Vorgesetzer vorwirft, dass er den Patienten nur noch künstlich am Leben erhalten wolle, gibt er nicht auf. Huyler wird auf eine andere Station versetzt. Als er Monate später die Cafeteria besucht, sieht er einen Zeitung lesenden Mann: Mr. Johnson.
In einer weiteren Geschichte gibt der Autor einen ganz ehrlichen Einblick in seine weniger bewundernswerten Gedanken, die ihn aber gerade deswegen umso glaubwürdiger erscheinen lassen. So berichtet er in „Der tote See“, dass er das Gefühl auch genießt, wenn er schlechte Nachrichten übermitteln muss: „Meine Stimme gibt den Geschehnissen Gestalt, ganze Familien hängen an meinen Lippen. Eine dunkle Eitelkeit, die ich halbwegs zu unterdrücken suche, ergreift von mir Besitz.“ Ähnlich differenziert wie sich selbst beschreibt Huyler auch die Charaktere seiner Kollegen und Patienten.
Er zeigt eindrucksvoll, dass auch auf einer hoch technisierten Intensivstation und Notaufnahme das Menschliche immer im Vordergrund stehen kann. Im Gegensatz zu vielen anderen autobiografischen Erlebnisberichten von Ärzten sind diese Momentaufnahmen des Klinikalltags aber auch literarisch anspruchsvoll und schon allein deshalb lesenswert. Gisela Klinkhammer
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