ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002COPD: Lungenerkrankung mit steiler Karriere

AKTUELL: Akut

COPD: Lungenerkrankung mit steiler Karriere

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-465 / B-373 / C-353

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Nach einer Schätzung der WHO sind chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD) derzeit weltweit die vierthäufigste Todesursache. Schon in 20 Jahren werden sie sich an die dritte Stelle vorgearbeitet haben, weil immer mehr Menschen rauchen. Erschreckend ist vor allem der hohe Anteil junger Frauen, die heute mit dem Rauchen anfangen. Die Folge davon ist unter anderem, dass das Bronchialkarzinom bei Frauen das Mammakarzinom in der Häufigkeit bereits hinter sich gelassen hat. In Deutschland leiden heute rund zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen an chronischer Bronchitis. Von ihnen entwickeln 15 bis 20 Prozent eine Obstruktion. Mehr als 80 Prozent der COPD-Erkrankungen sind auf Rauchen zurückzuführen. Der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen hat chronische obstruktive Lungenkrankheiten ebenfalls als eine der Volkskrankheiten ausgewählt, bei denen eine erhebliche Unter- und Fehlversorgung zu beklagen ist.

Die Krankheit wird in vielen Fällen zu spät erkannt, sagte Prof. Gisela Fischer von der Medizinischen Hochschule Hannover. Lungenerkrankungen insgesamt verursachen nach Schätzungen des Rates in Deutschland etwa 19 Milliarden €, und damit die zweithöchsten Kosten aller Krankheitsgruppen in Deutschland. Sie werden nur von den Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertroffen, die mit 25,5 Milliarden € zu Buche schlagen, wie Dr. Frank-Ulrich Fricke, Gesundheitsökonom aus Nürnberg, berichtete. Mehr als sechs Milliarden aus der Rubrik Lungenerkrankungen entfallen auf die chronische Bronchitis. Mit 26 Prozent Anteil liegen die Kosten für Arbeitsausfall durch diese Erkrankung dabei noch etwas höher als die Belastung der Krankenkassen mit 25 Prozent.

Um die bedrohliche Entwicklung langfristig zu beeinflussen, sind intensive Aufklärung der Patienten und Anti-Raucher-Programme notwendig. Hört der Patient mit dem Rauchen auf, kann er den Erfolg sehr bald selbst an seiner Lungenfunktionskurve sehen – unabhängig wie lange er geraucht hat. Auch die medikamentöse Stufentherapie mit Bronchodilatatoren, Anticholinergika, Theophyllin und eventuell Steroiden, kann ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn der Patient das Rauchen einstellt. Durch Schulung muss erreicht werden, dass der Patient eigenverantwortlich in das Management seiner Krankheit einbezogen wird. „Die Compliance mit der Therapie muss auch als ärztliche Aufgabe ernst genommen werden“, forderte Fischer. Dr. med. Angelika Bischoff
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