ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Versichertenbefragung: Für aktive Krankenkassen

POLITIK

Versichertenbefragung: Für aktive Krankenkassen

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-477 / B-384 / C-362

Korzilius, Heike

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LNSLNS Die Mehrheit der Mitglieder der Ersatzkassen befürwortet
Disease-Management-Programme und wünscht Beratung.


Die Umsetzung der Disease-Management-Programme trete in die heiße Phase, sagte der Vorstandsvorsitzende der Ersatzkassenverbände VdAK/AEV, Herbert Rebscher, am 11. Februar in Berlin. Nachdem der Koordinierungsausschuss vier Krankheiten – Diabetes, koronare Herzkrankheit, Asthma und Brustkrebs – festgelegt hat, müssen nun entsprechende Programme entwickelt werden (siehe DÄ, Heft 6/2002). Für die Kassen ist dies offenbar ein guter Zeitpunkt, um die Ergebnisse einer repräsentativen Versichertenbefragung zum Disease Management vorzustellen. Erfreulich für die Ersatzkassen: Die Mehrheit ihrer Mitglieder befürwortet die speziellen Programme zur Behandlung chronisch Kranker. Noch erfreulicher: Viele wünschen sich dabei eine aktive Rolle der Krankenkassen. Die Vorsitzende des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen, Margret Mönig-Raane, fasste wesentliche Ergebnisse zusammen:
- Über 50 Prozent der Versicherten betonen die Wichtigkeit einer medizinisch-therapeutischen Beratung durch einen medizinisch ausgebildeten Berater der Krankenkassen.
- Circa 70 Prozent erwarten von ihrer Krankenkasse Therapieempfehlungen bei bestimmten Krankheiten.
- Circa 60 Prozent wünschen sich von ihrer Kasse eine Beratung über geeignete Medikamente bei bestimmten Krankheiten.
- Und über 30 Prozent finden es wichtig, vor einem Arztbesuch Gelegenheit zu einer diagnostisch-therapeutischen Beratung durch ihre Kasse zu bekommen.
Offenbar, so lautet ihre Interpretation, sind die Versicherten in Bezug auf die Qualität der Versorgung verunsichert. Die ärztliche Profession werde in ihrer Rolle als Lotse durch das immer intransparentere Gesundheitswesen als unzureichend wahrgenommen.
Keine Frage, die Kassen lassen die Muskeln spielen. Sie wollen bei den Disease-Management-Programmen das Zepter nicht völlig aus der Hand geben, denn sie haben inzwischen erkannt, dass sie bei der Vertragsgestaltung kaum an den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) vorbeikommen.
Einheitlich und gemeinsam
Rebscher, der damit rechnet, dass die Ersatzkassen ab Juli für alle festgelegten Erkrankungen Behandlungsprogramme anbieten können, betonte: „Wir brauchen einen flächendeckenden Ansatz, um im Risiko­struk­tur­aus­gleich keine Nachteile zu erleiden.“ Denn je mehr ihrer Versicherten sich in die Programme einschreiben, desto mehr Geld fließt aus dem Finanzausgleich an die Kasse zurück. Dieser Logik folgend, sind die KVen die attraktivsten Vertragspartner. Gespräche finden Rebscher zufolge bereits statt. Verträge seien jedoch nur akzeptabel, wenn sie die Kassen in der Ausführung der Programme nicht behinderten. „Jede Form der Blockade macht andere Partner attraktiv“, warnte Rebscher.
Ebenso wenig wie der reine Wettbewerb um lukrative Einzelverträge liegt der um das „beste“ Disease-Management-Programm im ökonomischen Interesse der Kassen. Um Missbrauchsmöglichkeiten innerhalb des Risiko­struk­tur­aus­gleichs auszuschalten, müssten die Standards und zum Teil auch die Inhalte der Programme auf einem einheitlichen Niveau ausgerichtet werden, forderte Rebscher. Zumindest die Ersatzkassen wollen deshalb einheitlich und gemeinsam mit den Leistungserbringern verhandeln. Heike Korzilius
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