Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Es gibt medizinische Fachdisziplinen, die ihre eigene Daseinsberechtigung auch ohne Patienten herleiten, getreu dem Motto: viel Formalismus, viel Leistung, viel Geld. Das ist bitterer Ernst. Beispiel?
Conni Lustig will Krankenschwester werden. Weil sie, ohne sitzen zu bleiben, die mittlere Reife schafft, ist sie erst 17 Jahre alt. Deshalb rät man ihr an der örtlichen Krankenpflegeschule, doch noch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren. (Schließlich kann man ja eine erst 17-jährige Schülerin nur zeitlich limitiert einsetzen.) Beworben für eine Tätigkeit in der örtlichen Uni-Chirurgie, angenommen – und schon geht’s los. Denkste! Zunächst verlangt die Organisation, die das FSJ betreut, ein aktuelles Gutachten über die gesundheitliche Eignung. Der Hausarzt veranlasst, weil ihm der Zweck des Gutachtens bekannt ist, die volle Palette der diagnostischen Möglichkeiten (Laborchemie, Bakteriologie, Virologie, Parasitologie, Immunologie). Alles bestens, bis auf die Tatsache, dass niemand das Gutachten bezahlen will. Dann geht es aber ab in die Klinik, denkt Conni Lustig. Aber nicht so einfach. Erst einmal zur Arbeitsmedizinischen Untersuchungsstelle, wenige Tage später das Gleiche von vorn. Welch medizinisches Wunder, auch hier alles bestens.
Conni Lustig verbringt ein interessantes FSJ in der Chirurgischen Uni-Klinik, wird in ihrem Berufswunsch bestärkt und bewirbt sich erfolgreich an einer Krankenpflegeschule. Ganz oben auf dem Pflichtprogramm: eine aktuelle arbeitsmedizinische Einstellungsuntersuchung an dem Krankenhaus, dem die Krankenpflegeschule angehört, und, einen Tag später, eine arbeitsmedizinische Abschlussuntersuchung beim bisherigen Arbeitgeber, weil das FSJ nun beendet ist.
Fazit: vier Untersuchungen, obwohl auch zwei ausgereicht hätten, weil die Kollegen Arbeitsmediziner es grundsätzlich ablehnten, auf die Befunddaten der anderen zurückzugreifen.
Es wird mir – auch nach fast zwanzig Dienstjahren – ein Rätsel bleiben, warum Arbeitsmediziner und Betriebsärzte ein so sonderbares Verhältnis zu den gutachterlichen Äußerungen ihrer eigenen Kollegen entwickeln. Es bleibt die Frage: Wird man als Arbeitsmediziner so, oder wird man, weil man so ist, Arbeitsmediziner? Jörg Lehmann
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema