ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem: Infektiologische Problematik vernachlässigt

MEDIZIN: Diskussion

Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem: Infektiologische Problematik vernachlässigt

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-512 / B-414 / C-391

Petersen, Eiko E.

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LNSLNS Der Artikel wird leider dem anspruchsvollen und interessanten Titel nicht gerecht. Keine klare Gliederung und eine starke Überfrachtung machen die Lektüre mühsam. Und das eigentliche interdisziplinäre Problem wird kaum angesprochen.
Hier wäre beispielsweise ein Hinweis auf das erhöhte Infektionsrisiko von Patienten mit rezidivierenden Pyodermien bei Operationen am Platz gewesen. Hier sind pathogene Keime vorhanden, die ein erhöhtes Risi-
ko bedeuten, welches durch eine Antibiotikaprophylaxe reduziert werden kann. Auch sind sorgfältige klinische Nachkontrollen und die Beachtung der Entzündungsparameter angebracht.
Das gilt ganz besonders für Streptokokken der Gruppe A, die in unserem Lande die gefährlichsten Erreger darstellen, weil sie zu außerordentlich
raschen und tödlichen Infektionen führen können. In dem Artikel wird aber hartnäckig immer nur von Streptokokken gesprochen, gelegentlich auch von b-hämolysierenden Streptokokken, aber nicht einmal von A-
Streptokokken. Dabei ist ausschließlich die Angabe der Serogruppe maßgebend für die Kennzeichnung der pathogenen Potenz der Erreger. Enterokokken sind auch Streptokokken.
Streptokokken der Gruppe B sind auch b-hämolysierende Streptokokken. Aber B-Streptokokken sind Kolonisationskeime, die in Einzelfällen schwere kindliche Infektionen auslösen können, aber sonst harmlos sind.
Anstatt vor ungezielter Antibiotikagabe zu warnen, hätte ich lieber
Informationen darüber erhalten, welche Maßnahmen in der Familie erforderlich werden, wenn ein kleines Mädchen zum dritten Mal eine schwere A-Streptokokken-Vulvitis und -Dermatitis aufweist. Hier beginnt für mich die interdisziplinäre und familiäre Beratung.
Das unzureichende infektiologische und mikrobielle Bewusstsein der Kollegen ist immer wieder erschreckend. Es ist sicherlich ein Ausbildungsproblem, dass nicht genügend bekannt ist, was pathogene Erreger sind und was nur Kolonisation mit fakultativ pathogener Körperflora ist. Dieser Artikel hätte da eigentlich hilfreich sein können. Dass Fortbildung not tut, zeigen mir die vielen Gutachtenfälle. Ein typischer Fall hieraus war eine Schwangere, die zum Zeitpunkt eines Kaiserschnitts ein Panaritium hatte, was leider kein Anlass für eine Antibiotikaprophylaxe war. Sie entwickelte eine schwerste A-Streptokokkensepsis mit Fasziitis.
Die Beachtung derartiger kleiner Hautentzündungen und somit die Vermeidung schwerer Komplikationen, das wäre interdisziplinäre Fortbildung.

Prof. Dr. med. Eiko E. Petersen
Sektion Gynäkologische Infektiologie
Hugstetterstraße 55
79106 Freiburg
E-Mail: petersen@frk1.ukl.uni-freiburg.de

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