ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem: Nosologische Stellung der Hidradenitis suppurativa
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LNSLNS Die Autoren fassen die Hidradenitis suppurativa als eine an apokrine Schweißdrüsen gebundene Pyodermie auf (1). Die Auffassung, dass es sich um eine Erkrankung der apokrinen Schweißdrüsen handelt, wurde bereits 1854 von Verneuil (7) vertreten, der als erster die Bezeichnung Hidradenitis suppurativa verwendete. Diese Anschauung wurde durch experimentelle Arbeiten von Shelley und Cahn (6) gestützt, die durch manuelle Hautdepilation und Applikation von mit Atropin imprägniertem Klebeband eine Okklusion der Follikelausführungsgänge induzierten. Die Autoren beobachteten eine initiale Obstruktion durch Keratinozyten mit konsekutiver Dilatation, Entzündung und bakterieller Superinfektion der Ausführungsgänge der apokrinen Schweißdrüsen. Allerdings ließ sich nur in 25 Prozent der Fälle eine Okklusion bewirken, zudem entwickelten sich die okklusiv behandelten Stellen nicht zu den für die Hidradenitis suppurativa charakteristischen chronischen Läsionen. Es konnte inzwischen überzeugend nachgewiesen werden, dass es sich um eine Erkrankung der Terminalhaarfollikel und nicht der apokrinen Schweißdrüsen handelt. In einer histopathologischen Studie an läsionaler Haut von Patienten mit Hidradenitis suppurativa fanden Yu und Cook (8) in einem Drittel der Fälle eine Entzündung der apokrinen Schweißdrüsen. Diese war nur in den Fällen nachweisbar, in denen sich die Entzündung auch auf andere Strukturen wie ekkrine Schweißdrüsen und Haarfollikel erstreckte. Attanoos et al. (2) fanden, unabhängig von der Erkrankungsdauer, in allen Hautproben von Patienten mit Hidradenitis suppurativa eine follikuläre Verhornungsstörung. Übereinstimmend wiesen beide Arbeitsgruppen darauf hin, dass eine Entzündung der apokrinen Schweißdrüsen nur dann vorkommt, wenn gleichzeitig eine Entzündung der Follikel vorhanden ist (2, 8). Die Einbeziehung der apokrinen Schweißdrüsen in den Entzündungsprozess ist nur ein Sekundärphänomen im Rahmen der Vorgänge, die sich am Follikel abspielen. Die Bezeichnung Hidradenitis suppurativa ist unzutreffend, da es sich nicht um eine primär an die apokrinen Schweißdrüsen gebundene Erkrankung handelt. Es liegt auch keine Pyodermie der apokrinen Schweißdrüsen vor. Vielmehr besteht eine follikuläre, zunächst nicht durch Bakterien ausgelöste Entzündung. Die durch Bakterien verstärkte Entzündung ist ein Sekundärphänomen und stellt kein initiales Ereignis dar. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt eine primäre bakterielle Infektion der apokrinen Schweißdrüsen beim Erwachsenen gibt. Bis heute ist eine solche nicht gesichert. Zur Korrektur des missverständlichen Ausdrucks und zur Hervorhebung der inversen Lage der entzündlichen Läsionen wurde die Bezeichnung Acne inversa eingeführt (5). Die Zuordnung zum Formenkreis der Akne ist gerechtfertigt, da der pathogenetische Mechanismus identisch mit dem der Acne vulgaris ist. Es handelt sich um eine chronisch rezidivierend verlaufende Erkrankung, die im Gegensatz zu den übrigen Akneformen, bei denen die Talgdrüsenfollikel betroffen sind, lediglich die Terminalhaarfollikel befällt. In den intertriginösen Arealen finden sich Terminalhaarfollikel und keine oder nur sehr wenige Talgdrüsenfollikel. Diese Auffassung hat sich im internationalen Schrifttum weitgehend durchgesetzt und konnte durch eigene Untersuchungen an Serienschnitten bestätigt werden (3, 4).
Literatur bei den Verfassern

Dr. med. Thomas Jansen
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56
44791 Bochum

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Gerd Plewig
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Ludwig-Maximilians-Universität München
Frauenlobstraße 9–11
80337 München

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