ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Pyodermien – Ein interdisziplinäres Problem: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-513 / B-432 / C-407

Abeck, Dietrich

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Beobachtungen von Kötz über die erfolgreiche Therapie der streptogenen perianalen Dermatitis mit topischer Anwendung von Gentamicin sind sehr interessant. National sowie international wird in den entsprechenden Textbüchern bislang jedoch die orale Behandlung mit Penicillinen oder Erythromycin favorisiert (3, 5). In der Literatur wurde jedoch kasuistisch über die erfolgreiche Behandlung mit topischem Mupirocin berichtet (1). Für die Zukunft sind vergleichende klinische Untersuchungen äußerst sinnvoll
Den Autoren Jansen und Plewig sei gedankt für ihre umfassenden und interessanten Ausführungen. Die Diskussion zur nosologischen Einordnung der Hidradenitis suppurativa ist eine sehr alte und auch kontrovers geführte. Neben der von Jansen und Plewig präferierten Zuordnung der Erkrankung zur Acne inversa sehen andere Autoren diese Erkrankung aufgrund verschiedener Epidemiologien, der Unabhängigkeit vom Sebum und der einzigartigen Topographie als eine akneähnliche, jedoch nicht identische (4, 6). Die von uns vertretene Unterscheidung der akuten Hidrosadenitis suppurativa als eine äußerst schmerzhafte, eitrig einschmelzende Entzündung apokriner Drüsen im Axillarbereich, die akut auftritt und meist von episodischem Charakter ist, wird in Abgrenzung von der chronischen Hidradenitis suppurativa auch von anderen Autoren vertreten (2).
Auch wir stimmen mit dem Kollegen Petersen voll und ganz überein, dass gerade im Bereich der mikrobiellen Infektiologie kontinuierliche Fortbildung entscheidend ist, um häufige, im klinischen Alltag gemachte Fehler zu vermeiden wie beispielsweise auch eine unsachgemäße Verordnung von Antibiotika (Erythromycingabe bei durch Staphylococcus-aureus-bedingten Infektionen, topischer Einsatz von Antibiotika). Der Hinweis auf ein erhöhtes Infektionsrisiko von Patienten mit rezidivierenden Pyodermien bei Operationen ist wichtig. Den Autoren ging es in ihrem Beitrag um eine Präsentation des klinischen Bildes, der einzuleitenden diagnostischen Maßnahmen sowie den aktuellen Therapieempfehlungen für die im Praxisalltag häufigsten Pyodermien. Die von Herrn Petersen angeregte Aufnahme der familiären Verhaltensmaßnahmen beim zweiten Rezidiv einer schweren A-Streptokokken-Vulvitis bei einem dreijährigen Mädchen ist jedoch sehr speziell und würde den Umfang des Beitrages sprengen. Diese Fälle sollten für den betreuenden Arzt unserer Meinung nach immer Anlass sein, Rücksprache mit den mikrobiologisch versierten Kollegen vor Ort zu halten.

Literatur
1. Barnett BO, Frieden IJ: Streptococcal skin diseases in children. Semin Dermatol 1992; 11: 3–10.
2. Fritsch P: Dermatologie und Venerologie. Berlin: Springer 1998; 240; 679–680.
3. Hay RJ, Adriaans BM: Perianal streptococcal infection. In: Champion RH, Burton JL, Burns DA, Breathnach SM (eds): Textbook of Dermatology. Oxford: Blackwell 1998; 1128.
4. Jemec GBE: Hidradenitis suppurativa – investigations into the clinical aspects of inverse, recurrent suppuration and its nosology. Lörrach: Alix 1998; 1–31.
5. Marsch WC: Perianale Streptodermie: S. 275 In: Traupe H, Hamm H (Hrsg.): Pädiatrische Dermatologie: Berlin: Springer 1999.
6. Mortimer PS: Hidradenitis suppurativa – diagnostic criteria. In: Marks R, Plewig G (eds): Acne and related disorders. London: Dunitz 1988; 359–360.

Prof. Dr. med. Dietrich Abeck
Klinik und Poliklinik für Dermatolgie
und Allergologie am Biederstein
Technische Universität München
Biedersteiner Straße 29, 80802 München

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige