ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Hypertonie: Pulse Pressure – ein neuer Risikofaktor

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Hypertonie: Pulse Pressure – ein neuer Risikofaktor

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-517

Vetter, Christine

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LNSLNS Nicht nur ein über die Norm erhöhter diastolischer und ein hoher systolischer Blutdruck gefährden den Hypertoniker. Ebenfalls eine erhöhte Blutdruckamplitude – auch als Pulse Pressure bezeichnet – ist mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden. Das zeigten unter anderem die Daten der Framingham-Health-Studie, berichtete Prof. Hans-Willi Maria Breuer (Görlitz) bei einem Pressegespräch von Bayer Vital an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Von einem normalen Pulse Pressure ist bei einer Differenz zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck unter 55 mm Hg auszugehen. Werte zwischen 55 und 65 mm Hg sind als Übergangsbereich anzusehen, Werte über 65 mm Hg als Risikobereich. „Wir wissen inzwischen, dass ein erhöhter Pulse Pressure mit einem gesteigerten kardiovaskulären Risiko assoziiert ist und einen unabhängigen Risikofaktor darstellt“, betonte der Wissenschaftler.
Noch nicht in den Therapie-Leitlinien verankert
Damit aber wird ein neues Kapitel im Risikomanagement bei der Hypertonie aufgeschlagen. Zwar hätten die neuen Erkenntnisse noch keinen Eingang in die Therapie-Leitlinien gefunden, in der Praxis aber ist es nach Aussage von Breuer sinnvoll, die Antihypertensiva auch danach auszuwählen, wie sie den Pulse Pressure beeinflussen. Als günstig stellte er das Nisoldipin cc (coated core) vor.
Eine Studie von Punzi et al. (Clinical Pharmacology 1998; 4: 267–272), in der 100 Hypertoniker acht Wochen lang entweder mit Nisoldipin cc oder Amlodipin behandelt wurden, belegt, dass beide Calciumantagonisten eine ebenbürtige antihypertensive Wirksamkeit entfalten. Allerdings zeigten sich Unterschiede bei den Blutdruckwerten in den frühen Morgenstunden, also in der Zeit, in der Hypertoniker am stärksten gefährdet sind. Die frühmorgendlichen Blutdruckanstiege wurden unter Nisoldipin deutlich besser vermindert als unter Amlodipin.
Auch hinsichtlich des Pulse Pressure schnitt Nisoldipin (Baymycard®) sehr gut ab: Es reduzierte die Blutdruckamplitude um 8,5 Prozent und damit ausgeprägter als die Vergleichssubstanz Amlodipin mit nur 7,3 Prozent.
Antiatherosklerotische Effekte sind belegt
Die Verordnung von Calciumantagonisten vom Dihydropyridin-Typ (DHP) ist als günstig bei der Hypertonie anzusehen, weil für diese Wirkstoffe eine antiatherosklerotische Wirksamkeit gut dokumentiert ist. So wurde, wie Prof. Hermann Haller (Hannover) sagte, zum Beispiel in der INTACT-Studie belegt, dass DHP-Calciumantagonisten, zu denen auch das Nisoldipin gehört, nicht nur den Blutdruck wirkungsvoll senken und die Strömungsverhältnisse verbessern, sondern zugleich die Entwicklung früher arteriosklerotischer Läsionen hemmen. Vermittelt werde der antiatherosklerotische Effekt unter anderem durch eine forcierte Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO), erklärte Breuer. In dieser Hinsicht sei das gefäßselektive Nisoldipin sogar effektiver als die Muttersubstanz Nifedipin. Christine Vetter
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