ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2002Impfstoff-Forschung: Das Erbe des Emil von Behring wird gewahrt

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Impfstoff-Forschung: Das Erbe des Emil von Behring wird gewahrt

Dtsch Arztebl 2002; 99(8): A-518 / B-404 / C-372

Leinmüller, Renate

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Blick in die Geschichte: Emil von Behring testet einen Impfstoff zunächst am Pferd. Foto: Chiron Behring
Blick in die Geschichte: Emil von Behring testet einen Impfstoff zunächst am Pferd. Foto: Chiron Behring
Vor 100 Jahren wurde Emil von Behring für seine bahnbrechende Serumtherapie gegen die Diphtherie – sie forderte jährlich 50 000 Kinderleben – mit dem ersten Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Seither haben viele Infektionskrankheiten durch die Impfung ihren Schrecken verloren; Pocken und Masern wurden ausgerottet. Doch einige Erreger – wie etwa bei Malaria – widersetzen sich der Vakzinierung, und ständig kommen neue Infektionserreger auf. Mit neuen Technologien und Strategien will der Impfstoff-Spezialist Chiron Behring das Erbe von Behring bewahren.
Einen Blick in die Pipeline des Unternehmens vermittelte Dr. Rino Rappuoli von Chiron Vaccines (Siena). Neben Malaria und HIV sieht er in der bakteriellen Meningitis B eine Herausforderung an die Impfstoff-Forschung. Nachdem hier seit mehr als 40 Jahren nach einer wirksamen Vakzine geforscht wird, scheint sich jetzt ein Fortschritt abzuzeichnen, indem über die Genomanalyse eine reverse Vakzinierung angestrebt wird. Mit dem Computer werden dabei die geeigneten Kandidaten für einen Protein-Impfstoff aufgespürt.
Impfungen dürften in Zukunft aber nicht nur der Prävention von Infektionen dienen, sondern auch dem Schutz vor maligner Entartung oder der Krebstherapie, da einige chronische Infektionen Krebs auslösen können – zum Beispiel Hepatitis B und C, Zervix- und Magenkarzinom. Wie Rappuoli mitteilte, wird bereits eine Vakzine gegen Helicobacter pylori in klinischen Studien in Berlin getestet. Künftig sei deshalb ein Rückgang bei bestimmten Tumoren möglich. Auch die Applikation von Impfstoffen werde sich verändern, prognostizierte der Referent. Die Spritze werde in 20 Jahren der Vergangenheit angehören. „In den meisten Fällen dürfte die Vakzine dann über die Schleimhaut verabreicht werden“, so Rappuoli.
Dabei werde das Antigen direkt an die Eintrittspforte gebracht; zur Anregung des lokalen Immunsystems ist in den meisten Fällen allerdings eine Koppelung an „entschärften“ Toxin-Mutanten notwendig. Diese Moleküle sind ebenfalls in klinischer Prüfung. Ein weiterer Weg ist die Verabreichung nackter DNA: Hier werden die Gene, die das Antigen codieren, mit Aktivatoren in Plasmidvektoren kloniert; diese Plasmid-DNA wird nach Injektion von den Zellen aufgenommen; das Fremdantigen bewirkt nach Expression eine Immunreaktion. Noch nicht geklärt ist allerdings die Verträglichkeit und das Problem der mangelhaften Aufnahme der DNA durch Körperzellen. Dr. Renate Leinmüller
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