ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002BHW-Emission: Schöne Blamage

VARIA: Schlusspunkt

BHW-Emission: Schöne Blamage

Dtsch Arztebl 2002; 99(9): [92]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es sollte der Auftakt für ein dynamisches Wiederaufleben des Emissionsmarktes sein. Mit der BHW Holding, so die Vorstellung des Konsortiums, brächte ein starker Finanzdienstleister Aktien an die Börse und es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn die Emission kein voller Erfolg würde.
Privatanleger konnten, wenn sie nur früh genug zeichneten, einen Rabatt von einem Euro auf den Emissionspreis bekommen, und wie man hört, hatten die kleinen Leute auch reichlich geordert, es soll sogar eine zweifache Überzeichnung gewesen sein, was ja nicht schlecht ist nach den Monaten des Börsenfrustes.
Das BHW-Management scheute auch keine Kosten und Mühen, in einer aufwendigen und sogar gut gemachten Werbekampagne die „Aktie blau“ bekannt zu machen und in unzähligen Roadshows bei den großen institutionellen Anlegern für die Aktie zu werben.
Doch sie hatten allesamt nicht mit der List und Tücke des Details gerechnet, hinter der bekanntlich der Teufel steckt. Da das zu platzierende Volumen der Aktien sehr deutlich über dem an der Börse bereits gehandelten lag, langten die Spekulanten voll zu. Sie verkauften die BHW-Aktie seit Bekanntgabe des Emissionsvorhabens in großen Mengen und der sicheren (?) Erwartung, die gleichen Aktien über die Emission zu einem viel niedrigeren Preis zu bekommen, nämlich genau zu dem, zu dem die Spekulation ihn heruntergeprügelt hatte.
Es war – bis dahin – ein voller Erfolg, denn seit Bekanntgabe der Emission verlor der Wert knapp ein Viertel seines Wertes und schloss am Vorabend der Zuteilung bei 19 €. Ein todsicheres Geschäft, so feixten die Spekulanten, haben wir da hingekriegt.
Doch aus der vermeintlich größten deutschen Aktienplatzierung der letzten sieben Monate sollte nichts werden. In einem atemberaubenden Entscheidungsprozess und wohl auch einer moralischen Meisterleistung beschlossen die BHW-Oberen, sich nicht erpressen zu lassen und die Emission abzusagen. Es gäbe keinen Grund, die Aktie bei 19 € zu verschleudern. Wohl wahr.
Aus der Traum vom schnellen Reichtum. Die Spekulanten hatten nämlich im Vorfeld BHW-Aktien „leer“ verkauft, sie also noch gar nicht besessen. Sie mussten sich also am Tag danach zu höheren Kursen eindecken. Und das tat richtig weh, denn die Aktie sprang von 19 € auf 23 €. Auf dieser Basis ist übrigens die Aktie meines Erachtens immer noch drei Euro zu billig,
Zurück bleibt die Gewissheit, dass auf Monate hinaus der Emissionsmarkt angeschlagen ist, dass sich die Kleinanleger wieder mal düpiert fühlen, aber auch die wohltuende Erkenntnis, dass sich Spekulation im großen Stil nicht immer lohnt. Gottlob.
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