ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002Rehabilitation: Hausarzt als Moderator

POLITIK: Kommentar

Rehabilitation: Hausarzt als Moderator

Wagener, Wolfgang

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LNSLNS Die „Zukünftige Rolle des Hausarztes für die stationäre Rehabilitation“ war kürzlich Thema von „Strategieseminaren“ des Bundesverbandes Deutscher Privatkrankenanstalten e.V. Neben den rechtlichen Grundlagen waren das Schnittstellenmanagement zwischen ambulanter, kurativer Versorgung und medizinischer Rehabilitation sowie das zielgruppenorientierte Marketing die Schwerpunkte der Experten-Tagung.
Rehabilitation ist bisher in der Praxis eines Hausarztes eher ein Randthema, stellte Harry Fuchs, Klinikentwicklungs-, -Betriebs- und Beratungs-GmbH, Düsseldorf, fest. Dies soll sich unbedingt ändern.
§ 72 ff. SGB V regelt die Aufgaben der Vertragsärzte, die diese vielfach auf die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) übertragen haben. Die meisten Strukturprobleme ärztlicher Versorgung seien nicht das Ergebnis der Gesetze, so Fuchs. Wesentliche Ursache sei vielmehr der Umgang der Ärzte miteinander. Es herrsche ein verschärfter Wettbewerb um Patienten, wobei die KVen die Verteilungsströme gestalten. So legen Ärzte selbst fest, was sie tun, wie sie es tun und wie die Finanzaufteilung erfolgt.
Das deutsche System der Rehabilitation ist weitgehend frei von staatlicher Regelung: keine Bedarfsplanung; Vertragsrecht mit Verhandlungsfreiheit, Gestaltungsmacht aufgrund Kompetenz. Rehabilitationskliniken haben stärkere Gestaltungsrechte, aber auch umfassendere Verantwortung. Für jeden Patienten ist ein Versorgungskonzept vorzulegen. Stimmen die Leistungsträger diesem zu, wird bezahlt.
Für die vertragsärztliche Versorgung legt im Unterschied dazu der Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen fest, was gemacht werden kann und was bezahlt wird. Unscharf ist die Abgrenzung. Die §§ 11 und 40 SGB V sowie § 27 SGB IX dekretieren die Rehabilitation zum Bestandteil der Krankenversorgung. Es gibt jedoch bis heute keine Gesamtvereinbarung auf Bundesebene, dass Rehabilitation Bestandteil kassenärztlicher Versorgung ist. Vereinbarungen auf Landesebene sind unzulässig.
Nach Maßgabe von SGB IX ist Rehabilitation nicht Bestandteil der Krankenbehandlung, sondern zielt vielmehr auf die Bewältigung der Krankheitsfolgen ab. § 27 SGB IX ermöglicht Rehabilitation auch wäh-rend der Therapie. Der Hausarzt kann notwendige Maßnahmen in einer Rehabilitationseinrichtung verordnen, nicht aber selbst erbringen.
Dass Rehabilitation erfolgreich ist, zeigt sich auch daran, dass danach
die zahlenmäßige Inanspruchnahme ärztlicher Versorgung für diese Patienten und ihre Medikamentenverordnungen rückläufig sind. Jeder Rehabilitand fällt in der Bilanz des Hausarztes – zumindest teilweise – aus.

Nach SGB IX ist der Hausarzt an der Einleitung einer Rehabilitation zu beteiligen. Sie darf also kein Fremdkörper im hausärztlichen Therapiekonzept sein – im Gegenteil. Der Hausarzt kann sich durch Rehabilitation entlasten: Rehabilitationskliniken leisten Ursachenforschung, ohne dass das hausärztliche Budget belastet wird.
Jeder Arzt will „das Beste für die Patienten“. Dies ist nicht allein mit kassenärztlicher Versorgung möglich. Rehabilitation bringt andere Instrumente zum Einsatz: gebündelt, wirksam, finanziell nicht belastend.

Auch in der Rehabilitation werden DRGs gebraucht“, so die These von Professor Dr. med. Werner Müller-Fahrnow, Institut für Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen GmbH an der Humboldt-Universität, Berlin. In der Rehabilitation können sie zwar nicht, was sie in der Akutmedizin sollen: die Behandlungszeit steuern. Wichtig sind sie aber für Leistungskonfigurationen und Qualitätsmanagement.
Der Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten will allen Ärzten vermitteln, dass sie kompetenter wirken und erfolgreicher werden, wenn sie verstärkt Rehabilitationsmaßnahmen einsetzen. Der Hausarzt soll als Moderator für Rehabilitation gewonnen werden. Dazu müssen die Rehabilitationseinrichtungen den Dialog suchen, sich präsentieren: auf Hausärzte, Medizinische Dienste der Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigungen, Selbsthilfegruppen sowie Servicestellen der Rehabilitationsträger zugehen.
Rehabilitanden werden auch immer älter. Gab es früher keine Rehabilitation für Patienten über 75 Jahre, ist dies heute keine Seltenheit.
Das noch junge SGB IX bringt Bewegung in den „Markt“ Rehabilitation. Er ist ein solcher, zumindest für die Leistungsträger. Mehr Patienten sollen mehr profitieren. Die Ärzte müssen diese Herausforderung annehmen. Dr. med. Wolfgang Wagener
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