ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002Ernährungsmedizin: Alamierende Zahlen

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Ernährungsmedizin: Alamierende Zahlen

Dtsch Arztebl 2002; 99(9): A-540 / B-476 / C-438

Schneider, Andrea

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LNSLNS Eine Studie aus Aachen sucht nach Ursachen und Folgen von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter.
Das Interesse teilzunehmen, ist groß.


Knapp 60 Prozent aller Erwachsenen waren nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit im Jahr 1998 übergewichtig. Bei 20,3 Prozent lag eine Adipositas vor – Tendenz steigend. Nicht minder erschreckend die Zahlen bei Kindern: Etwa 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den alten Bundesländern sind übergewichtig, jedes zweite davon ist adipös. In den neuen Bundesländern bringt jedes zehnte Kind zu viel auf die Waage, jedes zwanzigste ist adipös. Wegen des sich verändernden Freizeitverhaltens nähern sich die Mädchen und Jungen im Osten den westlichen Werten jedoch an.
Nach Ursachen und Folgen von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter fahndet eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Aachen gemeinsam mit der klinischen Forschungsgruppe Marburg und dem Deutschen Zentrum für Alternsforschung, Universität Heidelberg. Unter der Leitung von Professor Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann wenden sich Ärzte und Psychologen an die Eltern der Kinder, die in diesem Jahr eingeschult werden. Sie werden gebeten, einen Fragebogen zum Essverhalten des Kindes auszufüllen sowie intensiv befragt. Die Bereitschaft der Eltern, sich an der Studie zu beteiligen, liegt bei 99 Prozent.
Eine Zahl, von der Professor Dr. med. Uwe Jaeger, Institut für Humangenetik und Anthropologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena, nur träumen kann. Bereits seit 1880 werden in Jena kontinuierlich Schulkinderuntersuchungen durchgeführt. Die Wissenschaftler sind Auswerter eines weltweit einmaligen Fundus an Daten, der Auskunft über die Entwicklung von Kindern gibt. Alarmierende Werte nennt Jaeger für die Zeit nach der deutschen Vereinigung: Während die Körperhöhe bei beiden Geschlechtern 1995 um etwa zwei Prozent gegenüber 1985 gestiegen war, erhöhte sich das Körpergewicht um mehr als sieben Prozent. Zunehmend forschen die Jenaer Wissenschaftler nach sozialen und sozio-ökonomischen Hindergründen – mit einem Problem: der geringer werdenden Bereitschaft, sich an den Jenaer Schulkinderuntersuchungen zu beteiligen. Früher haben sich rund 99 Prozent zur Verfügung gestellt. 1995 erklärten sich nur noch 70 Prozent der Kinder und Eltern bereit, mittlerweile hat sich die Zahl auf 40 bis 45 Prozent verringert. Jaeger bedauert, dass möglicherweise „eine Serie verschwindet, die einmalig in der Welt ist“.
Start eines ambulanten Therapieprogrammes
Die Aachener Studie ist dagegen auf den überschaubaren Zeitraum angelegt. Nach vier Jahren wollen die Wissenschaftler etwa 200 übergewichtige Kinder und deren Eltern sowie eine gleich große Kontrollgruppe erneut befragen. Etwa 2 500 Fragebögen werden die Wissenschaftler bis zu den Sommerferien ausgewertet, etwa 400 Interviews geführt haben. Schon jetzt deutet sich an, dass das Interesse an der Untersuchung nicht auf künftige Erstklässler und deren Eltern beschränkt bleibt.
Bei dem Projektteam gehen viele Anfragen von Eltern und Kindergärten ein, die an dem im Sommer startenden ambulanten Therapieprogramm teilhaben wollen. Andrea Schneider
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