ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002Haltungsschäden: Das Gewicht des Schulranzens ist nur selten die Ursache

POLITIK: Medizinreport

Haltungsschäden: Das Gewicht des Schulranzens ist nur selten die Ursache

EB

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LNSLNS Schädigungen der kindlichen Wirbelsäule durch den Schulranzen sind nicht bewiesen. „Aktuelle Zahlen über das tatsächliche Ranzengewicht liegen nicht vor, zudem ist nach Untersuchungen von 1979 die Einwirkungszeit der Ranzengewichte zu kurz, um tatsächlich eine chronische Schädigung zu provozieren“, heißt es in einer aktuellen Presseerklärung des Sportärztebundes Nordrhein. Vordergründig müssten falsche Tragegewohnheiten abgestellt werden.
Dies sind aus sportmedizinischer Sicht: Einseitiges Tragen des Ranzens oder ungleich eingestellte Gurte, die eine Schiefhaltung fördern; zu kurze Gurte, die einen Rundrücken und zu lange Gurte, die einen Hohlrücken provozieren. Der Ranzen ist dicht am Körper zu tragen. Das Gewicht des Schulranzens sollte zehn Prozent des Körpergewichtes nicht überschreiten. Der ideale Ranzen hat ein geringes Grundgewicht von 1 000 bis 1 300 g mit einem Volumen von 20 Litern und darf die Schulter des Kindes nicht überragen
Die Wirbelsäule sei beim wachsenden Skelett ohne Zweifel durch Fehlbelastungen besonders gefährdet, daher verbiete das Jugend-Arbeitsschutzgesetz Arbeiten, die mit Heben, Tragen oder Bewegen schwerer Lasten verbunden sind. Eine gesunde kindliche Wirbelsäule werde die zeitlich begrenzte Gewichtsbelastung durch den Schulranzen ohne Schädigung tolerieren, so die Sportmediziner.
Allerdings beobachten die Sportmediziner bei vielen Kindern einen durch Bewegungsmangel unzureichend trainierten Haltungs- und Bewegungsapparat – eine Folge fehlender Möglichkeiten zu freiem Spiel und Sport sowie falschem Freizeitverhalten (exzessives Fernsehen und Computerspiele). Die Möglichkeit zum spielerischen Training durch Sport werde als Ersatz für diese Einschränkungen von den Eltern zu selten genutzt. EB

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