ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2002Medizinstudium: Vogel-Strauß-Pädagogik
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LNSLNS Wenn ich jemanden untersuche und Bedenkliches finde, überlege ich eine Behandlung. Gebert untersucht Naturwissenschaftskenntnisse bundesdeutscher Studenten, findet erhebliche Mängel und schlägt – „problemorientiert?“ – vor, solche Untersuchungen fürderhin am besten zu unterlassen.
Nicht nennt Gebert klinische Fächer, in denen Naturwissenschaften „nahezu irrelevant“ sein sollen. Wer soll ein EEG lesen, der sich noch nach der Vorklinik mit elektrischen Widerständen nicht auskennt? Mystisches Dunkel umwallt die Gebertsche Vermutung, naturwissenschaftliches Verständnis würde im klinischen Studium schon noch von selbst entstehen. Gebert scheint selbst nicht daran zu glauben, betont er doch, Physikumsprüflinge sollten „den Höhepunkt ihres Kenntnisstands erreicht haben“.
Die zitierte Sedimentationsaufgabe verlangt das Rechnen mit Zehnerpotenzen, Stoff der siebten Klasse. Die Frage mit „entgegengesetzt gerichteten“ Vektoren „im Winkel von 60° zueinander“ ist unsinnig, denn ‚entgegengesetzt‘ bedeutet 180°. Sie zeigt Mängel des Fragers in Schulgeometrie wie im sprachlichen Ausdruck.
Naturwissenschaften als Pflichtfächer abschaffen? Nein, fragen wir uns, ob wir uns ein IMPP noch leisten können!
Dr. med. Wolfgang Beer, Rieperdingerstraße 3, 85567 Grafing
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